Natascha Manski: Der neue Stern am Autorenhimmel
- Beitrag von Ulrike Fieback
- Veröffentlicht unter Menschen
Foto: Kirsten Hedemann
Hipburn Wer oder was gab den Impuls, keine Liebesromane, sondern Krimis zu schreiben?
Natascha Manski Ich lese sehr gerne Krimis, daher dachte ich vor einigen Jahren: Warum nicht einmal selbst einen schreiben? Ich hatte bis dato zwei Kurzgeschichtenbände veröffentlicht und hatte Lust auf die "Langstrecke". Außerdem erschien es mir einfacher, als einen Roman zu schreiben. Ein Krimi hat ja bereits einen vorgegebenen Spannungsbogen: Es gibt einen Mord, Ermittlungen und eine Auflösung. Und: Eine packende Story braucht Konflikte – hierfür bietet der Krimi das ideale Spielfeld!
Hipburn Warum hast Du Dich gerade für starke Frauen entschieden, die in der "Seebestattung" die Hauptrolle spielen?
Natascha Manski Hmm, gute Frage... Vielleicht, weil sie interessant sind? Spannend sind doch die Menschen, die Ecken und Kanten haben, die unangepasst sind und manchmal überraschend handeln. Bei meiner Hauptkommissarin fand ich außerdem die Idee reizvoll, dass sie trotz ihres noch recht jungen Alters und ihres untypischen Aussehens eine Mordkommission leitet. Und KOK Ulrich Spandorff, der selbst scharf auf ihren Job war, ist ja zuerst auch alles andere als begeistert von der Konstellation. Raufen die beiden sich zusammen oder knallt es irgendwann so richtig? Diese Frage zieht sich durch die Geschichte – und ich hoffe, dass sie für den Leser genauso spannend ist wie für mich.
Hipburn Du hast sehr gut recherchiert. Beispielsweise hinsichtlich der Hafengesellschaft, Institut für angewandte Ozeanologie oder der wirtschaftlichen Schieflage von Apotheken. Hast Du entsprechend vor Ort hospitiert, um tief in die Themen einzutauchen?
Natascha Manski Ja habe ich – und das hat riesigen Spaß gemacht! Ich war zu Besuch bei einer Hafenumschlagsgesellschaft, habe in den Obduktionssaal einer Rechtsmedizin geschaut, viele Gespräche mit einem ehemaligen Kriminalhauptkommissar geführt und mich in einem biologischen Institut umgesehen. Ich schätze, das liegt an meiner journalistischen Vergangenheit – ich finde es toll, zu recherchieren und so ganz verschiedene Menschen kennen zu lernen. Außerdem profitiert die Story, denn: Es muss zwar nicht alles zu hundert Prozent stimmen, aber der Leser sollte das Gefühl haben, dass es genau so passiert sein könnte...
Hipburn Wie entstehen Deine Geschichten? Zufallsbeobachtungen im Alltag?
Natascha Manski Die Initialzündung ist tatsächlich häufig eine Beobachtung im Alltag, eine Meldung in der Zeitung oder ein besonders interessanter Schauplatz. Bei meinem ersten Roman "Fanggründe" gab den Anstoß zum Beispiel der Kutterhafen in Fedderwardersiel und die Frage „Was passiert, wenn in der Nordsee immer mehr Offshore-Windenergieanlagen gebaut werden und sich dadurch die Fanggründe der Fischer weiter verkleinern?
Hipburn Kannst Du überhaupt noch abschalten oder ist der kreative Kern Deines Gehirns immer in Aktion, um Erlebnisse jedweder Art aufzusaugen?
Natascha Manski Ich kann ganz gut abschalten. Auch die Initialzündung zu einer neuen Story ist ja nicht stressig oder anstrengend, sondern quasi meine selbst gewählte Freizeitgestaltung: Ich denke mir Geschichten aus, weil es mir Spaß macht.
Hipburn Die Seebestattung ist eine wunderbare Vorlage für ein Drehbuch. Hast Du Deinen Roman schon TV-Sendern angeboten?
Natascha Manski Nein, aber ich hätte schon eine Idee, wer Tomma spielen könnte...
Hipburn Sind Deine Kollegen im Ministerium oder ist Dein privates Umfeld jetzt immer in "Habachtstellung", weil sie befürchten, eventuell die Protagonisten des nächsten Romanes zu werden?
Natascha Manski Das hoffe ich doch nicht! Aber diese Sorge wäre auch unbegründet. Nie würde ich Personen 1:1 als Vorlage nehmen, genauso wenig wie ich konkrete Sachverhalte in eine Story verpacken würde. Das wäre nicht besonders nett, und mein Umfeld wäre dann zu Recht verärgert...
Hipburn Ist momentan eine schöpferische Pause angesagt oder arbeitest Du an einer neuen Geschichte?
Natascha Manski Ich könnte mir vorstellen, dass KHK Tomma Petersen eine kleine Ermittlungspause einlegt und ich mal ein ganz anderes Schreibprojekt mache. Mal schauen!
Hipburn Welche Visionen bzw. Zukunftswünsche hast Du als Autorin?
Natascha Manski Für mich bedeutet Schreiben Spaß und es ist wunderbar, wenn man Verlage findet, die diese Begeisterung teilen. Mein Wunsch wäre also: Auch künftig Verlage zu finden, die die Story veröffentlichen, wenn ich wieder eine Idee für ein Projekt habe!
Foto: Rowohlt
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