HIPBURN - MAGAZIN FÜR SCHÖNE DINGE                
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  • Veröffentlicht unter Schöne Dinge
Zugegeben: Auf den ersten Blick hat ein Magazin für schöne Dinge wenig mit einem Kriminalroman gemein. Und doch ist es die "Seebestattung" wert, darüber zu berichten. Verbirgt sich doch dahinter eine interessante Frau, die Hipburn gerne ins Scheinwerferlicht rücken möchte: Natascha Manski. 1973 im niedersächsischen Nordenham geboren, studierte die Autorin in Köln und Cambridge Politikwissenschaften, Geschichte und Anglistik. Nach jahrelanger Tätigkeit als Redakteurin arbeitet sie heute für das Land Niedersachsen und ist derzeit als Pressesprecherin der IdeenExpo tätig. Da die niedersächsische Landeshauptstadt durch Maria Furtwängler als Tatort-Kommissarin eine bedeutende Rolle in Sachen Kriminalistik einnimmt, ist es nicht verwunderlich, dass gerade Hannover ein kreativer Nährboden für die Krimiautorin geworden ist.

Schreiben ist Natascha Manskis Passion. Sowohl beruflich als auch privat. Was vor rund zehn Jahren mit Kurzgeschichten begann, hat sie durch die spannungsgeladenen Krimis, die allesamt an der niedersächsischen Küste spielen, zur Perfektion weiterentwickelt.Manski liebt es, über Frauen mit einer besonderen Vita zu schreiben. So auch in ihrem aktuellen Roman "Seebestattung", der ein Plädoyer für starke Frauen ist. So ist beispielsweise Tomma Petersen, die Chefin der Mordkomission, nicht etwa groß, blond und sommersprossig, sondern kommt klein, zierlich und mandeläugig daher. Eine Frau, die seit der Kindheit mit Vorurteilen leben musste und das Gefühl, ausgegrenzt zu sein, kennt. Als asiatisch aussehendes Kind einer alleinerziehenden deutschen Mutter war es für sie ein schwieriger Start ins Leben in der ländlich geprägten Wesermarsch. Dennoch hat sie sich ihren beruflichen Status mit Disziplin und Willenskraft erarbeitet. Ebenso das Mordopfer Nicola Sencker. Auch hier hat sich Natascha Manski für eine selbstbewusste Karrierefrau im Management entschieden. Eine Frau, die um ihre erotisch-attraktiven Aura weiß und die es gewohnt ist, dass ihr die Männer zu Füßen liegen. Doch es wäre nicht Nataschas Handschrift, wenn es so klischeehaft weiterginge.Manski bewegt sich gesellschaftskritisch auf Augenhöhe mit Donna Leon. Hinsichtlich des Spannungsbogens in ihrem Roman steht sie ebenfalls auf einer Stufe mit Charlotte Link. Bravourös flechtet Manski Korruption, Waffenhandel, Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen und Intrigen in ihre Geschichte ein. Auch Missgunst und Konflikte am Arbeitsplatz sowie Affären und Liebesbeziehungen unter Kollegen kommen nicht zu kurz. Realistisch hält Manski den Lesern den Spiegel vor, wie verführerisch doch Macht und Mammon sind.Fazit: Hipburn findet, dass die "Seebestattung" süchtig macht. Einmal angefangen, kann das Buch einfach nicht mehr zur Seite gelegt werden. Manski schreibt mit Liebe zum Detail, so dass per Kopfkino beim Lesen wunderbare Bilder entstehen. Ganz klar: Natascha Manski ist der neue Stern am Autorenhimmel! Die Frage ist nicht mehr ob, sondern nur noch wann dieser Roman als Drehbuchvorlage verfilmt wird.Hipburn möchte mehr wissen über die interessante Autorin, die im Gegensatz zu ihren Krimis ein friedliches, harmonisches Leben schätzt und - sofern es die Wetterverhältnisse hergeben - wunderbar beim Stand-up-Paddling vom Alltag abschalten kann. Foto: Kirsten Hedemann

Hipburn Wer oder was gab den Impuls, keine Liebesromane, sondern Krimis zu schreiben?

Natascha Manski Ich lese sehr gerne Krimis, daher dachte ich vor einigen Jahren: Warum nicht einmal selbst einen schreiben? Ich hatte bis dato zwei Kurzgeschichtenbände veröffentlicht und hatte Lust auf die "Langstrecke". Außerdem erschien es mir einfacher, als einen Roman zu schreiben. Ein Krimi hat ja bereits einen vorgegebenen Spannungsbogen: Es gibt einen Mord, Ermittlungen und eine Auflösung. Und: Eine packende Story braucht Konflikte – hierfür bietet der Krimi das ideale Spielfeld!

Hipburn Warum hast Du Dich gerade für starke Frauen entschieden, die in der "Seebestattung" die Hauptrolle spielen?

Natascha Manski Hmm, gute Frage... Vielleicht, weil sie interessant sind? Spannend sind doch die Menschen, die Ecken und Kanten haben, die unangepasst sind und manchmal überraschend handeln. Bei meiner Hauptkommissarin fand ich außerdem die Idee reizvoll, dass sie trotz ihres noch recht jungen Alters und ihres untypischen Aussehens eine Mordkommission leitet. Und KOK Ulrich Spandorff, der selbst scharf auf ihren Job war, ist ja zuerst auch alles andere als begeistert von der Konstellation. Raufen die beiden sich zusammen oder knallt es irgendwann so richtig? Diese Frage zieht sich durch die Geschichte – und ich hoffe, dass sie für den Leser genauso spannend ist wie für mich.

Hipburn Du hast sehr gut recherchiert. Beispielsweise hinsichtlich der Hafengesellschaft, Institut für angewandte Ozeanologie oder der wirtschaftlichen Schieflage von Apotheken. Hast Du entsprechend vor Ort hospitiert, um tief in die Themen einzutauchen?

Natascha Manski Ja habe ich – und das hat riesigen Spaß gemacht! Ich war zu Besuch bei einer Hafenumschlagsgesellschaft, habe in den Obduktionssaal einer Rechtsmedizin geschaut, viele Gespräche mit einem ehemaligen Kriminalhauptkommissar geführt und mich in einem biologischen Institut umgesehen. Ich schätze, das liegt an meiner journalistischen Vergangenheit – ich finde es toll, zu recherchieren und so ganz verschiedene Menschen kennen zu lernen. Außerdem profitiert die Story, denn: Es muss zwar nicht alles zu hundert Prozent stimmen, aber der Leser sollte das Gefühl haben, dass es genau so passiert sein könnte...

Hipburn Wie entstehen Deine Geschichten? Zufallsbeobachtungen im Alltag?

Natascha Manski Die Initialzündung ist tatsächlich häufig eine Beobachtung im Alltag, eine Meldung in der Zeitung oder ein besonders interessanter Schauplatz. Bei meinem ersten Roman "Fanggründe" gab den Anstoß zum Beispiel der Kutterhafen in Fedderwardersiel und die Frage „Was passiert, wenn in der Nordsee immer mehr Offshore-Windenergieanlagen gebaut werden und sich dadurch die Fanggründe der Fischer weiter verkleinern?

Hipburn Kannst Du überhaupt noch abschalten oder ist der kreative Kern Deines Gehirns immer in Aktion, um Erlebnisse jedweder Art aufzusaugen?

Natascha Manski Ich kann ganz gut abschalten. Auch die Initialzündung zu einer neuen Story ist ja nicht stressig oder anstrengend, sondern quasi meine selbst gewählte Freizeitgestaltung: Ich denke mir Geschichten aus, weil es mir Spaß macht.

Hipburn Die Seebestattung ist eine wunderbare Vorlage für ein Drehbuch. Hast Du Deinen Roman schon TV-Sendern angeboten?

Natascha Manski Nein, aber ich hätte schon eine Idee, wer Tomma spielen könnte...

Hipburn Sind Deine Kollegen im Ministerium oder ist Dein privates Umfeld jetzt immer in "Habachtstellung", weil sie befürchten, eventuell die Protagonisten des nächsten Romanes zu werden?

Natascha Manski Das hoffe ich doch nicht! Aber diese Sorge wäre auch unbegründet. Nie würde ich Personen 1:1 als Vorlage nehmen, genauso wenig wie ich konkrete Sachverhalte in eine Story verpacken würde. Das wäre nicht besonders nett, und mein Umfeld wäre dann zu Recht verärgert...

Hipburn Ist momentan eine schöpferische Pause angesagt oder arbeitest Du an einer neuen Geschichte?

Natascha Manski Ich könnte mir vorstellen, dass KHK Tomma Petersen eine kleine Ermittlungspause einlegt und ich mal ein ganz anderes Schreibprojekt mache. Mal schauen!

Hipburn Welche Visionen bzw. Zukunftswünsche hast Du als Autorin?

Natascha Manski Für mich bedeutet Schreiben Spaß und es ist wunderbar, wenn man Verlage findet, die diese Begeisterung teilen. Mein Wunsch wäre also: Auch künftig Verlage zu finden, die die Story veröffentlichen, wenn ich wieder eine Idee für ein Projekt habe! Foto: Rowohlt

www.natascha-manski.de