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Berge voller Stapelbecher, Bausteine und Kuscheltiere. Das Chaos im Kinderzimmer fängt schon im Säuglingsalter an. Wer denkt, dass frischgebackene Eltern das 'Problem' nicht kennen, der täuscht sich. Denn mit dem Baby zusammen hält auch eine Masse an Utensilien, Kleidung und vor allen Dingen Spielzeug Einzug ins Haus. Spätestens dann, wenn der kleine Erdenbürger anfängt, die Welt mit Mund und Zunge zu erkunden, werden seine Verwandten mit den Themen Quantität und Qualität von Spielwaren konfrontiert. Fragen wie "Ist das Kind bei Spielzeug A, B oder C möglicherweise überfordert?" oder "Kann ich entspannt bleiben, wenn das Baby täglich stundenlang genüsslich auf dem Plastik-Würfel rum kaut?" stehen dann auf der Tagesordnung. Viele Spielzeuge werden nicht hinreichend geprüft

Schlägt man seinen Laptop auf und forscht dazu im Internet, finden sich eine Reihe von Informationen, die die Mägen junger Eltern beim Anblick ihrer auf Plastikbecher sabbernden Babys zusammenziehen lassen dürften: Von 'noch unerforscht' über 'allergieauslösend' bis hin zu 'krebserregend' ist häufig die Rede. Kunststoff sollte immer die zweite Wahl sein, so der Tenor, und wenn, dann bitte 'BPA-frei'. Beim Bisphenol A handelt es sich um einen gesundheitsschädigenden Weichmacher. Der letzte Satz Stapelbecher ist kürzlich eigentlich nur im Einkaufskorb gelandet, weil er so hübsch aussah, ohne dass die Verpackung genau studiert wurde. Schnell steht der Entschluss fest, seinem Kind nur noch hundertprozentiges Öko-Spielzeug zu kaufen, welches am besten noch dazu das Prädikat 'Made in Germany' trägt. Doch wo gibt es das? In den Spielwarenabteilungen großer Kaufhäuser angekommen, lassen sich die neugewonnen Vorsätze nur schwer umsetzen und die Ernüchterung folgt bei Fuße: Nach dem Motto 'Bunt, grell, laut' umgeben einen dort Regale voller Kunststoff-Figuren, oftmals in Niedriglohnländern hergestellt. Angesichts der vielen populären Schlagzeilen über die Schadstoffe in Spielsachen, die einem nach der Recherche nun im Kopf rumschwirren, wirkt dieser Anblick zunächst erschreckend. Man kann seinem Kind also nicht einfach bedenkenlos gutes Spielzeug kaufen, wenn man 'blind' ins Regal greift? Leider nein: Dass die jeweiligen Produkte ihren Weg in den deutschen Einzelhandel finden, bedeutet nicht automatisch, dass ihre Qualität und Beschaffenheit nicht anzuzweifeln ist. Verbrauchertests geben regelmäßig traurige Gewissheit darüber, dass das im Handel erhältliche Spielzeug teilweise gesundheitsschädigend oder risikohaft ist. Gütesiegel geben Sicherheit

Zwar gibt es die bekannte CE-Kennzeichnung, welche sich auf vielen Artikeln in jeder europäischen Ladentheke finden. Ein Muss auf Spielwaren! Eine Garantie für kontrollierte Sicherheit ist das aber nicht. Das CE-Zeichen bestätigt zwar, dass der Hersteller sich an die in der EU geltenden Normen und Anforderungen hält - eine Überprüfung von unabhängigen Instanzen ist jedoch nicht vorgesehen. Für Eltern bedeutet das: Ein genauer Blick auf die Verpackung und vor allem auf den Inhalt sind unbedingt nötig. Praktisch ist es, wenn die Packung das GS-Zeichen aufweist, welches dem Spielzeug durch regelmäßige Qualitätskontrollen eine 'geprüfte Sicherheit' bescheinigt oder das 'Spiel gut'- Siegel vorhanden ist. Beim Letzteren entscheidet ein Gremium aus ehrenamtlichen Experten über die besondere Eignung von bestimmten Spielzeugen, wobei die Auswahl der Produkte jährlich zufällig erfolgt. Zusätzlich gibt es eine Reihe weiterer Gütesiegel wie das 'green product' des TÜV Rheinland oder das GOTS-Zeichen bei Textilprodukten. Sinne aktivieren beim Spielzeugkauf

So weit so gut. Die Siegel erleichtern Eltern unbestritten das Leben und erfüllen eine immens wichtige Funktion. Steht man aber erst einmal vor dem Regal, findet sich in der Realität jedoch häufig nicht einmal eines davon oder man ist schlicht weg überfordert und verliert die Übersicht. Auch kommt es vor, dass ein persönlich für gut befundenes Spielzeug kein Siegel aufweist. Sollte das eigene Bauchgefühl dann einfach ignoriert werden? "Bei der Auswahl des richtigen Spielzeuges sollte man seine Sinne in die Kaufentscheidung einfließen lassen", sagt Elena Timrova von 'ecotoy', einem Versandhaus für ökologische Spielwaren. "Es darf keinen unangenehmen Geruch haben und lackiertes Spielzeug sollte speichel- und schweißbeständig sein. Auch die richtige Altersklasse darf nicht unterschätzt werden. Zum Beispiel, damit das Kind keine Kleinteile verschlucken kann und nicht überfordert wird". So gilt auch beim beliebten Holzspielzeug: Sinne aktivieren. Die weitverbreitete Idee unter 'Uneingeweihten', dass sie mit dem Kauf von Holzspielzeug allen Risiken per sé ein Schnippchen schlagen können, stellt sich leider als Trugschluss heraus. Klar, hat Holz generell einen guten Ruf, ist umweltfreundlich und seine natürliche Struktur fördert die kindliche Fantasie eher als Kunststoff. Dennoch gibt es auch bei Holzprodukten wichtige Orientierungspunkte. "Geklebtes Holz aus Pressspan oder Sperrholz kann Schadstoffe enthalten, deshalb sollte gutes Spielzeug immer aus Vollholz gefertigt sein", erklärt Elena Timrova weiter. Das FSC-Logo bestätigt, dass der Rohstoff aus einer verantwortungsvollen Forstwirtschaft kommt. Ein einfacher 'Reibetest' zeigt zusätzlich, ob sich Farben oder Lacke lösen. Außerdem stellen lösbare Kleinteile und scharfe Kanten ein ernstzunehmendes Risiko dar, weshalb jedes Spielzeug genau unter die Lupe genommen werden sollte, bevor es in die Kinderhände kommt. Auch hier heißt es also wieder: riechen, reiben, testen! Gutes Spielzeug will gefunden werden

Neueinsteiger im Thema stellen schnell fest, dass gutes und richtiges Spielzeug gar nicht so einfach zu finden ist. Die Vielfalt an (importierten) Spielwaren auf der einen Seite und die der unabhängigen Prüflabore und Institute auf der anderen Seite scheinen die richtige Wahl nur noch zu erschweren anstatt sie zu erleichtern. Die Frage, ob Eltern überhaupt konsequent sicherstellen können, dass ihre Kinder ausschließlich mit schadstofffreiem Öko-Spielzeug in Berührung kommen, stellt sich damit nochmal neu. Nach unserer kleinen Odyssee lautet die Erkenntnis: Was Eltern und anderen Interessierten bleibt, ist, bei jeder Neuanschaffung selbst zu recherchieren und auf seiner Reise durch den Spielwarendschungel stets aufmerksam zu sein. Noch wichtiger ist es allerdings, seinem eigenem Bauchgefühl und Verstand bei der Entscheidung Vorrang zu geben. Wertvolles und sicheres Spielzeug gibt es eigentlich überall, man muss es nur entdecken können. Ein Austausch mit bereits Erfahrenen auf dem Gebiet lohnt sich ebenfalls für gute Tipps. So stellt sich beispielsweise heraus, dass Second Hand-Spielware eine gute Alternative ist. Auch spezialisierte Online-Händler, auf deren Webseiten man sich in Ruhe ein Bild von den Herstellern und ihren Produkten machen kann und zudem eine fachgerechte Beratung erhält, sind eine hilfreiche Alternative. Untertitel Fotos bzw. Informationen zu unserer Spielzeugwahl: Der ökologische Kuschelbär trägt das GOTS-Siegel und ist gefüllt mit Schafsschurwolle. Der Elch nach Waldorf Art ist aus Erlenholz gefertigt und mit Leinöl behandelt. Der Stapelturm wurde aus unterschiedlichen FSC-Holzarten gefertigt und mit Pflanzenöl und Bienenwachs behandelt.

Fotos: Margarita Frank

Entdeckt wurden die Spielzeuge auf www.ecotoy.de