HIPBURN - MAGAZIN FÜR SCHÖNE DINGE                
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Die Hotspots der internationalen Kunstszene liegen in London, New York, Berlin; alle fünf Jahre mit der Dokumenta auch in Kassel. Und natürlich in Büdelsdorf. Was? Noch nie von Büdelsdorf gehört? Dabei macht das beschauliche 10.000-Einwohner-Städtchen am Nord-Ostsee-Kanal, nur eine knappe Autostunde von der deutsch-dänischen Grenze entfernt, schon seit 1999 mit einer außergewöhnlichen Austellung von sich reden. Die jährlich neu konzipierte Kunstschau NordArt zählt während der Sommermonate regelmäßig zu den größten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in Europa und bietet ein umfassendes Panorama an aktueller Malerei, Fotografie, Installation und Bildhauerei. Mehr als 70.000 Besucher werden sich daran erfreut haben, wenn der diesjährige Durchgang im Oktober zu Ende geht; so die vorläufigen Schätzungen der Veranstalter. Doch auch für die Künstler und Künstlerinnen aus aller Welt ist die Bedeutung der NordArt immens. Das verdeutlicht die Zahl von mehr als 4.400 Kunstschaffenden aus 109 Ländern, die sich allein in diesem Jahr um eine Teilnahme beworben haben; die Jury der NordArt hat 250 von ihnen ausgewählt, deren Arbeiten das Publikum nun in Schleswig-Holstein bewundern darf. Als Schwerpunkt-Künstler steht der Chinese Liu Ruowang im Fokus der Ausstellung und präsentiert sich mit zwei unübersehbaren, raumgreifenden Skulpturengruppen. Gleich in der ersten Ausstellungshalle bildet ein Rudel aus 100 zähnefletschenden, gusseisernen Wölfen das 'Empfangskomitee'. Und auf dem großen Freigelände treffen die Besucher auf eine Horde aus 36 Affenmenschen, jeder für sich dreieinhalb Meter hoch. Die Kolosse scheinen einen Kommentar zur aktuellen Weltlage abzugeben. "Der gen Himmel schauende Affenmensch symbolisiert den Beginn antiker Zivilisation", sagt Liu Ruowang über sein Werk. "Heute beschert uns die hochentwickelte Zivilisation zwar eine fortschrittliche materielle Kultur, doch die Natur, in der wir leben, wird unaufhörlich beschädigt. Die verblüfften Augen und das unschuldige Gesicht des Affenmenschen offenbaren den Wunsch, all das zu korrigieren und in Richtung einer strahlenden Zukunft zu gehen". Mit dieser Arbeit unter dem Titel 'Original Sin' (Erbsünde) möchte der 1977 in der Provinz Shaanxi geborene Künstler dazu aufrufen, "den schönen Dingen mehr Aufmerksamkeit zu schenken". Eine Äußerung, die ihn geradezu dafür prädestiniert, auf Hipburn zitiert zu werden. Mindestens ebenso spektakulär wie die Kunst ist die Atmosphäre des Ausstellungsortes. Das weitläufige Gelände des Skulpturenparkt mit dem einladenden Café der Alten Meierei eignet sich ideal für einen Ausflug. Noch beeindruckender ist allerdings die Ausstellungshalle: Die ehemalige Eisengießerei Carlshütte mit dem schrundigen Charme des Industriedenkmals und einer Fläche von 22.000 Quadratmetern verleiht den Exponaten einen passenden und ganz unverwechselbaren Rahmen. Von filigraner Schönheit sind die aus Stahlringen geformten Objekte 'Dark Matter' des Koreaners Jang Yongsun. Wie Körperzellen schmiegen sich Tausende einzelner Metallbauteile aneinander und umschließen einen organisch geformten leeren Raum. Ihre Klarheit und Präzision, arrangiert vor schneeweißen Einstellwänden, bildet den perfekten Kontrast zu den erlebbaren Spuren industrieller Vergangenheit. Ein Besuch dieser großartigen Ausstellung ist noch bis zum 9. Oktober möglich. Von wo man auch kommen mag, der Weg lohnt sich. Und wer es in diesem Jahr nicht mehr schafft, eine Kunstexpedition nach Schleswig-Holstein zu unternehmen, der sollte sich unbedingt jetzt schon den 10. Juni 2017 notieren: Denn dann beginnt die NordArt 2017. Mit neuen Künstlern, neuen überraschenden Werken und vielen neuen Eindrücken – ganze vier Monate lang. NordArt 2016, Vorwerksallee, 24782 Büdelsdorf. Telefon 04331 - 354 695, Öffnungszeiten bis 9. Oktober 2016: Dienstag bis Sonntag (einschließlich Feiertage), 11-19 Uhr. Montags geschlossen.

www.nordart.de

Fotos: Kunstwerk Carlshütte