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Menschenleer, still und apokalyptisch: Berlin in Coronazeiten
Stolz und schön zeigt sie sich weiterhin. Berlin. Die Bundeshauptstadt. Doch die Patientin liegt im Wachkoma und der einst beschleunigte Herzschlag ist kaum mehr spürbar. Corona hat die lebenslustige Dame zum Schweigen gebracht. Ein Revival der 'Goldenen Zwanziger', in denen Berlin – wie vor 100 Jahren – Freiheit, Leben und Lust atmet, ist derzeit in weite Ferne gerückt.

Berlin in Coronazeiten: Eine Stadt im Wachkoma

Eine Stadt, die in virenfreien Zeiten ein Schmelztiegel für Menschen aller Nationen ist, wähnt sich jetzt in Einsamkeit und gleicht einer Filmkulisse, hinter der gefühlt jeden Moment Schauspieler und Statisten hervortreten könnten, um ihre Szene zu drehen. Gold-Else und Alex zeigen sich ob der menschenleeren und verwaisten Umgebung unbeeindruckt: Erhaben strecken sie ihre 'langen Hälse' in den azurblauen Hauptstadthimmel.

"Heal the world" - Hoffnung mischt sich in die beängstigende Stille Berlins

Es ist still, beängstigend still. Und dennoch mischt sich Hoffnung in diese Stille, die Michael Jackson mutmachend in seinem Song "Heal the world" zum Ausdruck bringt. "Heile die Welt, an die wir einst geglaubt haben, damit sie wieder in Anmut erstrahlen kann". Bernd Elmenthaler, der beeindruckende Fotos von der apokalyptisch anmutenden Hauptstadt gemacht hat, berichtet exklusiv im Hipburn-Interview, wie die Szenerie auf ihn wirkt, was ihn in dieser Krise mitunter positiv stimmt oder nachdenklich werden lässt. Der Wahl-Berliner nimmt uns mit auf eine außergewöhnliche Berlin-Reise und verrät, mit welchem visionären Blick er in die Zukunft – in die Zeit nach Corona – schaut.

Hipburn Bernd, das pulsierende Berlin ist gänzlich zum Erliegen gekommen. Als Inhaber von ESDES.Pictures warst Du selbst unterwegs, um die gespenstische vier Millionen Metropole mit der Kamera einzufangen. Wie hast Du dieses einsame Foto-Shooting empfunden?

"Corona zeigt, wie verletzlich unsere Gesellschaft ist"

Bernd Elmenthaler Faszinierend, friedlich und bedrückend zugleich. Auf der einen Seite freut man sich, zigtausendfach fotografierte Motive einmal fast menschenleer ablichten zu können. Auf der anderen Seite zeigen diese menschenleeren Orte, wie verletzlich diese Gesellschaft trotz all ihrer vermeintlichen Errungenschaften doch ist.

Hipburn Berlin ist normalerweise laut, zudem hektisch und stressig. Jetzt liegt über der Stadt eine spürbare Lethargie. Wie nimmst Du Deine Stadt momentan wahr?

Bernd Elmenthaler Facettenreich, wartend, zwiegespalten. Und fokussierter, denn durch die Leere wird das Leid der zu vielen Obdachlosen in dieser Stadt noch ersichtlicher, ebenso wie die empörende Unfähigkeit zu vieler Politikerinnen und Politiker. Und digitaler, wenn man an die vielen Livestreams denkt.

Hipburn Menschliches Miteinander ist derzeit nur mit Abstand möglich und soziale Kontakte sind auf ein Minimum reduziert. Auch die Wirtschaft läuft auf Sparflamme. Du bist als Selbständiger tätig. Wie geht es Dir persönlich in dieser herausfordernden Zeit?

Bernd Elmenthaler Mit meinem weiteren Standbein ESDES.Media erstelle ich seit vielen Jahren sehr erfolgreich Kundenmagazine von A bis Z. Von daher geht es mir gut. Für mich muss kein Schutzschirm gespannt werden.

Corona: Die Party ist vorbei

Hipburn In jeder Krise liegt eine neue Chance. Welche siehst Du für Berlin?

Bernd Elmenthaler Corona ist eine - wohl menschengemachte - Katastrophe, die jeden überall betrifft und von ihrer Wirkung her nicht weit hinter einem Weltkrieg stehen dürfte. Corona wird der Anfang von etwas hoffentlich positivem Neuen sein. Fest steht aber auch: Die Party ist vorbei.

Fotos: ESDES.Pictures

Lieber Bernd, herzlichen Dank für das Gespräch!