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  • Veröffentlicht unter Reisen
Spätestens seit 'Fräulein Smillas Gespür für Schnee' ist Grönland näher an die restliche Welt gerückt. Einmal die unzähligen Farbfacetten von Eis und Schnee sehen und die unendliche Weite und Ruhe des ewigen Eises spüren - das ist ein Traum, den sich immer mehr Menschen weltweit erfüllen wollen. Noch ist das Angebot an Hotels überschaubar und lediglich kleine Passagiermaschinen fliegen die winzigen Orte an. Aber schon existieren Bemühungen, den Tourismus zu forcieren. Bleibt zu hoffen, dass das Einzigartige von Grönland nicht im Massentourismus versinkt. Der Landeanflug nach Ilulissat hat es in sich: Die Stewardess ermahnt die Passagiere nach besten Kräften, angeschnallt auf ihren Plätzen zu bleiben. Aber es gibt kaum ein Halten. Stundenland hat der Flug über das schneebedeckte Grönland an die Westküste gedauert und nun zeigt sich der schmale Küstenstreifen und der gewaltige Eisfjord Kangia. Und alle wollen ihn sehen. Eisberg-Stau im Fjord

Der Anblick lässt den Atem stocken: Gewaltige Eisberge treiben im Eisfjord Kangia, sie gelangen in die Disko-Bucht und weiter aufs offene Meer. Der seit 2004 unter UNESCO-Weltkulturerbe stehende Fjord ist 55 km lang und sieben Kilometer breit. Die auf ihm treibenden Eismassen stammen vom produktivsten Gletscher der nördlichen Hemisphäre, dem Sermeq Kujalleq. Das wohl prominenteste Opfer des von diesem Gletscher abgebrochenen Eisbergs ist die Titanic. Die Schollen treiben auch in den kleinen Hafen von Ilulissat – unserem Reiseziel. Man kann das Eis mit bloßen Händen berühren. Der Gletscher selbst ist zum Symbol der Klimaerwärmung geworden – dramatisch ist der Rückgang im Verlauf der vergangenen Jahre. Wunderbare und gut ausgeschilderten Wanderungen führen am Rand des Eisfjords entlang.

Ilulissat: Mehr Schlittenhunde als Einwohner

Die Dame an der Hotelrezeption und der Inuit auf dem Ausflugsboot sind sich einig: Das Wetter ist unmöglich. 16 Grad. Und das im Juni. Dazu strahlender Sonnenschein rund um die Uhr. Was für Grönlands Gletscher dramatisch ist, freut die Touristen. Schöner können sich Eis, Schnee, Meer und die wunderschönen farbigen Häuser in Ilulissat nicht präsentieren. Stolz ist man hier auf den wohl berühmtesten Sohn der Stadt: den Polarforscher Knud Rasmussen. Und wer gedacht hat, er wäre am Ende der Welt: Auch hier gibt es Restaurants für jeden Geschmack und fast jeden Geldbeutel und mehrere preiswerte Supermärkte. Wovon es aber am meisten gibt, sind Schlittenhunde. Überall am Ortsrand sieht und hört man sie heulen. Im Winter fahren die Hundeschlitten zur Jagd oder zum Fischfang. Und dann gilt die Verkehrsregel: Hundeschlitten vor Autos.

Mittsommersonne in der Disko-Bucht

Die Eisberge in der Disko-Bucht sind zu jeder Jahreszeit ein unvergessliches Erlebnis. Allein die Vorstellung, dass der größte Teil der gewaltigen Berge sich unter Wasser befindet, ist schier unbegreiflich. Am faszinierendsten ist dieses Naturschauspiel aber zur Zeit der Mitternachtssonne, wenn die sinkende Sonne die Eislandschaft in ein goldenes Licht taucht. Bei einer Bootsfahrt kommt man ganz in die Nähe der Kolosse und mit etwas Glück – und dem Können der einheimischen Bootsführer - sieht man sogar Wale, die sich um diese Jahreszeit den Eisbergen nähern, um Nahrung zu suchen. Wer den Ausflug scheut, sucht sich an Land ein Plätzchen. Man kann stundenlang sitzen und einfach nur schauen und staunen.

Altweiberschlucht und Kolonialhäuser am Hafen

Rund um Ilulissat gibt es schöne Wanderwege, die auch für Ungeübte gut zu schaffen sind. Bereits kurz hinter dem Ort fühlt man sich so einsam wie einst Smilla. Läuft man einfach südlich aus Ilulissat heraus, erreicht man die Kapspitze Kingittoq. Von hier hat man einen schönen Blick sowohl auf den Eisfjord als auch auf die Stadt. Weiter führt der Weg zum ehemaligen Heliport. Von da geht es zur 35 Meter tiefen Altweiberschlucht. Vom Steilrand stürzten sich in früheren Hungersnöten die alten Frauen, um das Überleben der Jungen zu sichern. Je weiter man dann am Rande des Fjordes weiterwandert, umso ruhiger wird es. Man hört immer wieder ein Knacken und Krachen, wenn Stücke vom Eisberg abbrechen. Ansonsten ist die Stille fast greifbar. Man ist allein mit sich und wird andächtig im Angesicht dieser Naturgewalten.

Fotos: Heike Weinert