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Der digitale Weitblicker: Strategieberater Thomas Werning
Am digitalen Wandel kommt keiner mehr vorbei. Weder beruflich noch privat. Alles ist vernetzt. Das verändert Kommunikation, Konsum und Arbeitswelt. Künstliche Intelligenz, Sprachassistenz, Transformation und Change-Management werden unsere täglichen Begleiter und ein Dauerthema der Zukunft sein.

Daten sind ein bedeutender Faktor für den Unternehmenserfolg

"Daten sind in unserer digitalen Welt ein bedeutenden Faktor für den Unternehmenserfolg", erklärt Thomas Werning. "Nur wer frühzeitig in eine digitale Unternehmensstrategie investiert, kann zukünftig die Datenvielfalt für seine Prozessoptimierung nutzen". Werning muss es wissen. Schließlich sind Digitalisierung und Big Data seine beruflichen Expertisen. "Gerade Betriebe stehen vor der Herausforderung, ihre Wettbewerbsfähigkeit angesichts immer kürzerer Innovationszyklen und vermehrter Konkurrenz zu behaupten", so der Experte, der Unternehmen – quer durch alle Branchen und Sektoren – digitale Strategieberatungen anbietet. "Der Schlüssel, um als Unternehmen auch in der Zukunft erfolgreich zu sein, heißt digitale Kompetenz", so der IT-Berater aus dem westfälischen Lage. "Das bedeutet auch, dass die digitale Transformation bereits bei den eigenen Mitarbeitern beginnt".

Digitale Transformation beginnt bei den eigenen Mitarbeitern

Doch was bedeutet das Umwandeln von analogen Werten in digitale Formate? Wie machen sich Unternehmen fit? Was passiert in der Gesellschaft? Wie bereiten wir uns alle auf die digitale Welt vor? Müssen wir Angst haben? Wir haben Thomas Werning getroffen und ihm viele Fragen gestellt. Erfahren haben wir, dass die Digitalisierung – im Rahmen eines gut vorbereiteten Prozesses – begeistern und Spaß machen kann, wenn die Menschen auf Augenhöhe mitgenommen werden. Er spricht mit uns über kleine Schritte und große Ziele, über Veränderungsbereitschaft, Neugier, Kreativität und neue Chancen.

Strategieberatung thomas.werning.com

Hipburn Hallo Thomas, vervollständige bitte kurz und knackig den folgenden Satz: "Digitalisierung ist für mich......"

Thomas Werning…immer wieder spannendes #Neuland.

Hipburn Technologie und Digitalisierung verändern Geschäftsmodelle. Wie wird unsere Arbeitswelt in fünf bis zehn Jahren aussehen?

Thomas Werning Wir werden immer mehr Routinearbeiten an Maschinen abgeben können und müssen. Zeit und ortsunabhängiges Arbeiten werden weiter zunehmen, aber das wird nicht immer und überall möglich sein. Einen wichtigen Faktor stellt die wertschätzende Anerkennung von Mitarbeitern und Arbeitsbereichen dar, die nicht von der Digitalisierung direkt (aber in einem sehr großen Maße indirekt) betroffen sein werden. Bildung und Pflege müssen einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft bekommen. Digitalisierung kann hier vieles erleichtern, aber diese Erleichterung muss sich unmittelbar direkt vor Ort in den Lebenswelten der Menschen auswirken.

Hipburn Wer gewinnt? Wer verliert?

Thomas Werning Gewinnen werden diejenigen, welche sich auf die Veränderungen einlassen. Und diejenigen, die den Rahmen für Veränderungen schaffen, und zwar einen Rahmen aus den Niemand herausfällt. Die Menschen müssen mitgenommen werden – und zwar auf Augenhöhe. Verlieren werden diejenigen, die sich der Veränderung verweigern und in Tradition auf der Stelle verharren wollen.

Hipburn Was sind die wesentlichsten Punkte, die Unternehmen bzgl. des digitalen Wandels in ihrem Unternehmen beachten und umsetzen müssen?

Thomas Werning Sich einen Überblick zu verschaffen, wo man steht und wo man hin möchte. Dies gilt es, zu kommunizieren, um dann zu schauen, wie man dies an vielen verschiedenen Stellen schafft. Es gibt einen Fachkräftemangel, es gibt Veränderungen in Prozessen und Abläufen und es gibt komplett neue Märkte. All diese Herausforderungen müssen jetzt angepackt werden. Die Rahmenbedingungen haben sich in allen Bereichen stark verändert. Fazit: Es geht bei der Digitalisierung nicht darum, nur einen „Stundenzettel“ in Excel abzubilden.

Hipburn Welche neuen Jobs kann die Digitalisierung bringen? Welche Chancen bietet die Digitalisierung?

Thomas Werning Es wird mehr Zeit für zwischenmenschlichen Arbeiten geben. Gefährliche und monotone Arbeiten werden vielfach durch Prozessänderungen optimiert oder gar ersetzt werden können.

Hipburn Welche Länder sind hinsichtlich Digitalisierung gut aufgestellt und warum? Was machen diese Länder anders als Deutschland?

Thomas Werning Hm, das kann ich so gar nicht sagen. Da gibt es immer die klassischen Beispiele wie Lettland und die nordischen Länder, wo es besser laufen soll. Wir haben auch in Deutschland viele gute Beispiele, wo die Digitalisierung funktioniert. Schauen wir uns nur mal den starken Mittelstand und die Start-up-Szene und deren gemeinsame Kooperationen rund um Innovation und Digitalisierung in Ostwestfalen-Lippe an. Das gibt es herausragende Beispiele, wo Digitalisierung gut vorangetrieben wird.

Hipburn Was muss in Deutschland verbessert bzw. verändert werden?

Thomas Werning Sicherlich wäre es gut, die Rahmenbedingungen im Blick zu haben. Schnelles Internet ist eine Grundvoraussetzung. Derzeit erlebe ich massiv im Bereich der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), das es viele Mythen und Halbwahrheiten gibt, die teils von den Verbänden und Politikern aus reinem Lobbyismus verbreitet werden. Dann ist Datenschutz oder nennen wir es Bürokratie vordergründig ein sehr gutes Alibi, warum ein Projekt nicht funktioniert. In der Regel liegt dies aber nicht am Datenschutz, sondern schlicht am schlechten Projektmanagement. Beispiel Gesundheitskarte.

Hipburn Wie machst Du mit Deiner Expertise Lust auf die Digitalisierung?

Thomas Werning Es geht mir um das Aufzeigen von Lösungen, von kleinen Schritten und großen Zielen. Häufig ist es eher eine Mediation, ein Übersetzen zwischen den verschiedenen Bereichen.

Hipburn Du bietest digitale Strategieberatungen an. Was sind die zentralen und bedeutenden Fragen von Unternehmens- oder Mitarbeiter-Seite, mit denen Du regelmässig konfrontiert wirst?

Thomas Werning Oftmals sind es Sorgen um bürokratische Hindernisse, die es derzeit gerade im Bereich des Datenschutzes gibt. Viele Unternehmen und Mitarbeiter beschäftigen sich mehr mit den Problemen als mit den Lösungen. Das ändert sich, wenn durch Beratung und Dialoge zwischen allen Beteiligten, die Ziele und der Nutzen für alle sichtbar und begreifbar wird. Hier sind Projekte zur Digitalisierung sehr ähnlich zu den Projekten zum Datenschutz.

Hipburn Welche Stolpersteine lauern auf dem Weg zur Digitalisierung?

Thomas Werning Das man einen schlechten Prozess digitalisiert und an alten Dingen und Gewohnheiten festhält. Häufig fehlt es an einer gemeinsamen Zieldefinition, an Kommunikation und Transparenz.

Hipburn Es ist nicht leicht, das 'Go' für die digitale Transformation in den Köpfen der Mitarbeiter zu aktivieren, weil gewohnte Denkmuster erst überwunden werden müssen. Insbesondere ältere Mitarbeiter haben Angst vor der Digitalisierung, da sie mit Veränderung und mit dem Umgang neuer Techniken einhergeht. Was sind Deine Erfahrungen und wie nimmst Du Älteren die Angst?

Thomas Werning Das hat gar nicht so viel mit dem Alter zu tun. Primär geht es um das Thema Kreativität. Neue mentale Freiräume müssen geschaffen werden, damit sich ein neues Denken und Handeln entwickeln kann. Dieses 'lebenslange Lernen muss als innere Haltung erst mal akzeptiert werden, damit es sich, step by step, entwickeln kann.

Hipburn Welche Schlüsselkompetenz müssen Unternehmen, Führungskräfte und Mitarbeiter mitbringen, um für die digitale Zukunft gut aufgestellt zu sein?

Thomas Werning Kreativität, loslassen können von gewohnten Mustern aber auch von Verbindlichkeit. Stichwort agiles Arbeiten. Grundsätzlich hat es erst einmal viel damit zu tun, wie offen Unternehmen Veränderungen allgemein gegenüber stehen. Und wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit auf den Weg genommen werden, der von gemeinsamen Veränderungen und nicht Angst geprägt sein sollte. Wichtig ist, Kompetenzen zu erweitern. Kreativität Raum und Zeit zu geben, damit Gedanken sich frei entfalten können und dürfen und Innovationen dann überhaupt erst möglich sind. Auch Fehler werden dabei natürlich gemacht. Das alles ist wichtig für einen guten Prozess, der bestenfalls abteilungsübergreifend stattfindet. .

Hipburn Digitalisierung ist eines der wichtigsten Stichworte für den Fortschritt. Wie bleibt man zukunftsfähig? Wie gestaltet sich der Weg dorthin?

Thomas Werning Ein Dreiklang aus Neugier, Informationsbeschaffung und Analyse, welche der vielen Informationen überhaupt relevant sind. Dazu ist es wichtig, in Stufen zu denken. Wie kann man Prozesse verbessern, wie kann man Prozesse verändern und wie kann man Prozesse ersetzen? Wie kann man sein eigenes Geschäftsmodell aufbrechen? Ich möchte jetzt nicht Disruption sagen, denn das galt 2015 schon als „Wirtschaftswort des Jahres“.

Hipburn Schon heute ersetzen Algorithmen den Menschen an vielen Stellen. Mehr als 80 Prozent der menschlichen Tätigkeiten werden in Zukunft durch digitale Lösungen ersetzt werden. Manche Jobs werden aufgewertet, andere drohen, abgewertet zu werden oder verschwinden ganz. Welche Rolle spielt der Mensch noch in der Zukunft?

Thomas Werning Ich hoffe eine Entscheidende…. Die Frage ist, ob dies noch der Mensch von heute ist. Vielleicht entwickelt sich die Menschheit als solche weiter und bringt ganz neue Lebensmodelle und Gesellschaftsformen hervor. Das es Veränderungen in der Arbeitswelt gibt, war ja schon immer so. Hufschmiede, Buchstabensetzer und Telefonistinnen sind abgelöst worden. Die Berufswelt unterlag schon immer dem Wandel. Und es ist ja gut, dass es einige Berufe nicht mehr gibt. Wer möchte heute schon noch Scharfrichter, Aschenmann oder Turmwächter sein?

Hipburn Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) stellte fest, dass Unternehmen, die in die Digitalisierung investieren, deutlich mehr Jobs schaffen, als Unternehmen, die das nicht tun. Wie siehst Du das?

Thomas Werning Auch ich sehe bei den Unternehmen, die ich berate, dass Prozesse und Abläufe optimiert werden. Die Mitarbeiter werden nicht gekündigt, sondern in der Regel mitgenommen. Diese sind, wenn es gut läuft, sehr entscheidend für den Erfolg des Projektes. Denn die Belegschaft kennt das Unternehmen und den (digitalen) Prozess. Wichtig ist dabei, dass die Menschen auch die Veränderungen mitgehen wollen und können. Manchmal funktioniert das leider nicht. Dann müssen in diesen Fällen wiederum Lösungen gefunden werden.

Hipburn Würdest Du Dich als Technologieoptimisten beschreiben?

Thomas Werning Generell würde mich als Optimisten beschreiben. Ich bin ein gläubiger Mensch und denke, dass es durchaus eine göttliche Fügung gibt. Die Technologie ist ein gegebenes Werkzeug. Was man daraus macht liegt an jedem selbst und letztlich an uns allen.

Hipburn Die Digitalisierung durchdringt unsere Gesellschaft im privaten als auch im beruflichen Bereich. Müssen wir eigentlich Angst vor der Digitalisierung haben? Welche kritischen Anmerkungen hast Du dazu?

Thomas Werning Ich denke nein. Die Digitalisierung ist, bildlich gesprochen, wie ein Messer, mit dem ich gute als auch schlechte Sachen machen kann. Man muss aber lernen mit diesem Werkzeug umzugehen. Niemand sollte ein Messer offen liegen lassen, wenn beispielsweise ein Kleinkind mit dem Laufen anfängt. Andreas Eschbach hat aktuell ein Buch geschrieben, in dem er aufzeigt, was gewesen sein könnte, wenn die Nazis damals schon Computer, Internet und Smartphones benutzt hätten. Erschreckend, und doch nur eine Fiktion….bisher. Es liegt also an uns, der nachfolgenden Generation den vernünftigen Umgang mit den digitalen Werkzeugen beizubringen…aber auch auf die Ideen der nachfolgenden Generation zu hören. Es geht nur mit einem gemeinsamen Lernen und stetem Erfahrungsaustausch. Nicht von alt zu jung sondern immer gegenseitig.

Hipburn Gibt es neue Projekte, mit denen Du in die Zukunft startest? Wenn ja, welche?

Thomas Werning Spannend sind die Bereiche der selbstlernenden Algorithmen, die Sprachsuche und -steuerung sowie die Auswirkungen von 5G und Quantencomputern. Jeden Tag neues 'Neuland' und sicherlich noch viele weitere Themen die sich daraus ergeben und miteinander verzahnen. Für meine Mitarbeiter und mich steht 2019 das Thema Datenschutz an. Unser Ziel ist, diese gesetzliche Vorgabe weiterhin in den Unternehmen sowie in den gesamten Unternehmensprozessen zu etablieren. Es ist kein On-Top-Thema der IT, sondern Chefsache. Denn diese Kernprozesse sind unmittelbar mit der Digitalisierung verbunden.

Vielen Dank, Thomas, für das sehr informative Gespräch!

Fotos: Barbara Meinhardt, Sandra Willms

www.werning.com