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Sie ist die weibliche Antwort auf Ranga Yogeshwar: Nadia Beyer. Diplom-Öcotrophologin, Dozentin und Autorin
Sie ist die weibliche Antwort auf Ranga Yogeshwar: Nadia Beyer. Lebendig, informativ, unterhaltsam und mit einer angenehmen Prise Humor vermittelt die Wissenschaftlerin komplexe Vorgänge hinsichtlich Ernährung und Wohlbefinden. Daher liest sich auch ihr neu erschienenes E-Book  'Toxfrei – denn Detox ist kein Mythos. Selbsthilfe und Prävention mit Grips' wie ein Krimi. Spannend und fesselnd zieht es die Leser auf 224 Seiten in seinen Bann.  Die 'Täter' sind – aus 'kriminalistischer Sicht' schnell ermittelt: Toxine. Ihnen aber auf die Spur zu kommen und sie auf 'frischer Tat' zu ertappen, ist schon wesentlich schwieriger. Ihre Merkmale: Sie können sich hervorragend tarnen und vielerorts verstecken. Je länger sie jedoch unbeobachtet sind und im Verborgenen bleiben, desto mehr können die 'Übeltäter' - befeuert durch die über die tägliche Nahrung zugeführten Schadstoffe – beim Menschen Krankheiten auslösen und ihn in eine gesundheitliche Abwärtsspirale führen.

Toxfrei – denn Detox ist kein Mythos. Selbsthilfe und Prävention mit Grips

Doch tatenloses Zusehen ist nicht das Mittel der Wahl. Detox heißt das Zauberwort! Um wieder ein gesundes Leben zu führen, ist regelmäßiges Entgiften für Körper, Geist und Seele die beste Option, aus dieser Spirale auszubrechen. Lehrreich und interessant nimmt die Diplom-Öcotrophologin und Leiterin der Carrots&Coffee-Fachakademie für angewandtes Ernährungswissen e.V. den Leser mit auf eine begeisternde Expedition durch den Körper und zeigt auf, wie heute effektiv und ganzheitlich entgiftet wird. Zugleich vermittelt sie didaktisch ein tiefes Verständnis für Ernährung und Bekömmlichkeit und gibt einen Weg vor, wieder gesund zu werden oder es zu bleiben.

Die engagierte Wahl-Hannoveranerin weiß, wovon sie spricht. Authentizität ist ihre DNA. Nadia Beyer hat selbst eine lange Heilreise hinter sich und in Sachen Ernährung und Entgiftung alles Erdenkliche ausprobiert, erforscht und hinterfragt. Ihre Reise begann mit starker Neurodermitis, weitreichender Nahrungsmittelallergie und Verdauungsproblemen. Heute – nach dem symbolischen Ende der Reise – genießt sie die ersehnte Freiheit, wieder alles essen oder vertragen zu können. Motiviert durch die eigenen Erlebnisse, hat sie sich der leidenschaftlichen Erforschung der Zusammenhänge zwischen Ernährung und Gesundheit verschrieben und gibt ihr umfangreiches Wissen mit großem Engagement als Autorin und Dozentin weiter. 

Die negativen Folgen des digitalen Zeitalters

"In unserem modernen Leben und digitalen Zeitalter gibt es immer mehr Dinge, die die Gesundheit der Menschen gefährden können", berichtet die Akademikerin. "Dazu zählt neben der belasteten Nahrung, besonders das fehlende Tages- und Sonnenlicht und die regelmäßige Bewegung. Auch wird den Menschen die Natur immer fremder. Daraus resultieren fehlende Glücksgefühle und oftmals sogar ein Verlust der Lebensfreude. Stress und unzureichender Schlaf komplettieren das Bündel negativer körperlicher und seelischer Faktoren". Nadia Beyers Lifestylebuch möchte aufrütteln, informieren, inspirieren, motivieren und den Leser bei seiner Fähigkeit zur Entgiftung und Selbstheilung unterstützen. Auch ermuntert sie, Ungewohntes und auch mitunter Ungewöhnliches auszuprobieren. Die Expertin will zum Umdenken animieren, für Schadstoffe im Innen sowie im Außen sensibilisieren und zu umfassenden Veränderungen des Ernährungs- und Lebensstils anregen.

Ziel ihres Buches ist: Gesund werden und mehr Lebensfreude und Lebensqualität genießen.  

Ziel des Lifestylebuches: Gesundheit und Lebensqualität

Das Buch 'Toxfrei – denn Detox ist kein Mythos. Selbsthilfe und Prävention mit Grips' richtet sich in erster Linie an Betroffene, die unter chronischen Krankheiten leiden und schon lange frustriert auf der Suche nach Lösungen für ihre gesundheitlichen Probleme sind. Darüber hinaus spricht das Buch gezielt Therapeuten und Heilpraktiker an, die Ernährung als Therapie einsetzen möchten.

"Insbesondere möchte ich in meiner Publikation auch die Wichtigkeit der Verdauungsorgane hervorheben", so die Ernährungs-Fachfrau. "Magen, Bauchspeicheldrüse, Leber und Darm tragen immens zur Gesamtgesundheit bei".

Bedauernd stellt die Expertin fest, dass für zahlreiche Menschen der Darm oftmals nur ein Verdauungsort ist. Dabei ist er viel mehr als das: Er ist Schalt- und Nervensystem, unser zweites 'Gehirn' und sinnbildlich gesehen, ein Fenster zu unserem Kopf. In ihm entscheidet sich Wohlbefinden, Vitalität, gute oder schlechte Stimmung.  "Eine gestörte Darmflora durch Verdauungsschwäche ist der unterschätzte Urheber vieler Giftstoffe und die Darmmikroorganismen sind zudem die ersten, die mit den vielen aufgenommenen Schadstoffen von außen konfrontiert werden und mit ihnen interagieren. Darmflora, Leber und Darmschleimhaut erfüllen daher eine wichtige Entgiftungsfunktion", stellt Nadia Beyer fest.

Abenteuer Ernährung

Zusammengefasst lässt sich ihr Werk pointiert mit zwei treffenden Worten beschreiben: Abenteuer Ernährung! 

Anlässlich der Neuerscheinung ihres Buches, das im Online-Handel erhältlich ist, möchte Hipburn die Autorin kennenlernen. Wer ist diese Frau, die, genau wie Ranga Yogeshwar, komplizierte wissenschaftliche Details allgemeinverständlich und mit Begeisterung erklärt? In ihrer hannoverschen Akademie nimmt sich Nadia Beyer zwischen Schreibtisch, Entsafter, grünen Salatköpfen, Kohlrabi, Paprika, rotbackigen Äpfeln und Orangen Zeit für ein Interview.

Hipburn Was hat Sie inspiriert, dieses ganz besondere Lifestylebuch zu schreiben?

Nadia Beyer Ja, eine gute und berechtigte Frage! Im Grunde waren es mehrere Dinge, die mich zum Schreiben dieses Buches inspiriert und motiviert haben. Zum einen waren da die vielen Teilnehmer an meinen Ausbildungen und die zahlreichen kranken Menschen, die mich über Jahre hinweg immer wieder um gesundheitlichen Rat gefragt haben und sich speziell für das Thema Entgiftung, Säure-Basen-Haushalt und Darmsanierung interessierten. Und zum anderen war da meine eigene langjährige Heilreise und Leidensgeschichte, die mich dazu bewogen hat, mich intensiv mit diesen Themen und speziell dem Thema Ernährung als Therapieform auseinanderzusetzen. Die Essenz der dabei gewonnenen Erkenntnisse, die mein eigenes Leben komplett verändert haben, wollte ich schließlich schriftlich festhalten, um sie für diejenigen Menschen jederzeit verfügbar zu machen, die tiefer in die Materie einsteigen wollen, sei es, weil sie sich oder weil sie anderen Menschen helfen möchten, die unter einer chronischen Krankheit leiden. Mir ist es ein Anliegen, mit diesem Buch echte Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und aufzuzeigen, wie wir unsere Gesundheit in die eigenen Hände nehmen können. Alles was es dazu braucht, ist die entsprechende innerliche Bereitschaft für Veränderung und das Wissen über wesentliche Zusammenhänge im Körper, das ich mit diesem Buch vermitteln möchte.

Hipburn Detox liegt im Trend. Es werden Detox-Kuren im Kloster oder Wellness-Detox-Reisen angeboten. Zudem Detox-Wasser oder Tee. Auch Ihr E-Book beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Entgiften. Warum ist das Thema so elementar?

Nadia Beyer Im Grunde ist die Frage ganz einfach beantwort: Weil – egal wie priviligiert jemand sein mag – sich keiner mehr den Giften, die wir Menschen zunehmend in die Umwelt entlassen, entziehen kann. Wir alle atmen mehr oder weniger die gleiche Luft bzw. teilen uns dieselbe Atmosphäre, müssen essen und trinken, um zu leben und sind über Naturkreisläufe, Ozeane und internationale Handelsströme miteinander verbunden.  Auch haben wir alle nur diesen einen Körper, dessen Toleranzschwelle für Giftstoffe - ob sie nun von außen in unseren Körper gelangen oder im Inneren unseres Körpers entstehen - irgendwann ausgereizt ist und wir die steigende Belastung nicht mehr kompensieren können, ohne krank zu werden. Eine ausreichende Versorgung mit Mikronährstoffen und sekundären Pflanzeninhaltsstoffen spielt für unsere Fähigkeit zu entgiften dabei eine ganz besonders zentrale Rolle. Das heißt, unser Versorgungsstatus an Vitalstoffen entscheidet vielfach darüber, warum der eine bei der gleichen Menge an Schadstoffen krank wird und ein anderer nicht. Leider ist die Zufuhr vieler Nährstoffe in Deutschland - bedingt durch Stress und Fehlernährung - oft ernüchternd schlecht und das Thema Entgiftung deshalb von so großer Relevanz.

Hipburn Sie selbst haben eine lange Heilreise hinter sich. Wo standen Sie gesundheitlich früher? Wo stehen Sie heute und was haben Sie verändert?

Nadia Beyer Meine Heilreise begann im Grunde im Säuglingsalter als ich kurze Zeit nach meinen ersten Impfungen, wie mein Bruder, an schwerer Neurodermitis erkrankte und das hat meine Kindheit und Jugend sehr geprägt. Später kamen dann starker Heuschnupfen, unzählige Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Störungen des Hormonhaushalts und der Darmflora hinzu, die mit Verdauungsstörungen und Depressionen einhergingen. Meine gesundheitlichen Probleme haben mich sehr belastet und mich teilweise recht extreme Wege gehen lassen. Wie eine Laborratte habe ich viel im Bereich der Naturheilkunde und Ernährung an mir ausprobiert und das leider nicht ganz ohne Federn zu lassen, sei es in Form von Zeit, Geld oder auch Normalität.  Die Ernährung entpuppte sich dabei als mein wirkungsvollstes Heilmittel, weshalb ich mich sowohl theoretisch als auch praktisch mein gesamtes Leben leidenschaftlich und tiefgehend mit diesem Thema auseinandergesetzt habe. Das kontinuierliche Dazulernen, Verändern und Optimieren meiner eigenen Ernährung, aber auch die Zuhilfenahme von 'Verdauungshelfern' und ganz spezifischen Nahrungsergänzungen hat mich schließlich dahin geführt, dass ich heute völlig symptomfrei bin und wieder alles essen kann. Sofern ich das mit meinem heutigen Wissen überhaupt noch möchte. 

Hipburn Die Lust am Leben sollte für Menschen Antrieb zur Veränderung des Gewohnten sein. Doch die Realität zeigt, dass dies ungemein schwierig ist. Viele wollen Veränderung, aber keiner will sich wirklich verändern. Woran liegt das und wie steuern Sie mit Ihrem Buch dagegen?

Nadia Beyer Das stimmt! Die wenigsten wollen sich verändern, sondern fordern vielmehr, dass sich Umstände oder andere Menschen verändern, damit sie sich besser fühlen. Meiner Erfahrung nach brauchen Menschen in der Regel einen gewissen Leidensdruck, bevor sie sich tatsächlich in Bewegung setzen und Wissen nicht nur konsumieren, sondern es auch anwenden. Lieb gewonnene Lebens- und ganz besonders Ernährungsgewohnheiten geben die wenigsten von uns gerne auf, und das dürfte primär daran liegen, dass Essen nicht selten unser emotionaler Retter in der Not ist. Essen ist nahezu immer und überall verfügbar und mit ihm lassen sich auf recht einfache Weise, schnell und kurzfristig positive Gefühle generieren und auch Schmerzen lindern. Unliebsame Lebensumstände lassen sich so kurzfristig leichter aushalten, die wir andernfalls glauben nicht aushalten zu können oder auch nicht wollen. Zudem beginnen wir das geschmacklich zu bevorzugen und zu lieben, was unsere Geschmacksknospen tagtäglich umspült und so haben sich oftmals Vorlieben für viele schmackhafte, aber langfristig ungesunde Lebensmittel entwickelt.  Essen ist außerdem durch die alltägliche Wiederholung unser am stärksten konditioniertes Verhalten. Zum Glück lassen sich solche Ernährungsmuster, Vorlieben und Gewohnheiten aber durch eine Neukonditionierung auch wieder überschreiben. Mit der Zeit kann so eine neue Gewohnheit entstehen, die nicht mehr die Menge an gedanklicher Energie und Kraft erfordert, wie dies noch zu Anfang der Fall war. Fest steht: "Eine Gewohnheit kann man nicht aus dem Fenster werfen. Man muss sie die Treppe runterboxen - Schritt für Schritt".

Ich möchte meine Leser unbedingt zum Gehen neuer Wege motivieren. Ich möchte Lust machen auf Neues und jeden Betroffenen dazu ermutigen, der Ernährung eine höhere Priorität in seinem Leben einzuräumen. Und das auch, wenn wir auf der Reise mit Widerständen in uns und durch unsere Mitmenschen konfrontiert werden. Es ist zum Beispiel normal, besonders in stressigen Lebensphasen in alte Verhaltensmuster zurückfallen und den Autopilot einzuschalten. Entscheidend ist deshalb nicht, wie oft wir hinfallen, sondern wie oft wir wieder aufstehen und dass wir überhaupt los marschieren. Wie heißt es so schön: "Dem Gehenden schiebt sich der Weg unter die Füße!" Also laufen Sie los und lassen Sie sich von den spürbaren Veränderungen überraschen!

Hipburn In Ihrem Buch beschäftigen Sie sich mit dem Thema Giftstoffe, da wir diese mit unseren Sinnen nicht wahrnehmen können. Wir können sie weder sehen, riechen, hören noch schmecken. Selbst das Berühren eines Kassenbons kann beispielsweise toxisch sein. Wie nehmen Sie den Leser mit, dass er sich mit Giftstoffen kritisch auseinandersetzt? 

Nadia Beyer Die Orte, an denen Schadstoffe in unserem Alltag lauern bzw. an denen wir unbewusst mit ihnen in Kontakt kommen, sind immens groß. Aus diesem Grunde war es mir wichtig, den Giftstoffen am Anfang meines Buches ein Gesicht zu geben und immer wieder konkrete Beispiele aufzuführen, damit sich jeder der Allgegenwärtigkeit belastender Substanzen bewusst wird. Auch war es mir ein Anliegen, die Wirkungsmechanismen der Giftstoffe etwas näher zu erläutern, um das Schadenspotential vieler Substanzen besser nachvollziehen zu können. Denn oftmals sind wir eher bereit, die Dinge zu verändern, über die wir mehr wissen oder die wir besser verstehen. 

Ich gehe dabei in meinem Buch sowohl auf Giftstoffe ein, die wir von außen aufnehmen als auch auf solche, die im Zuge unseres Stoffwechsels - und je nach Ernährungsweise und Verdauungskraft - in teilweise beträchtlichen Mengen im Darm entstehen können. Auf diese endogenen Giftstoffe richtet sich ein großes Augenmerk, weil ihr Belastungspotential oftmals völlig unterschätzt wird und sie auch als Krankheitsursache häufig unerkannt bleiben. 

Hipburn Die Menschen gehen zum Friseur, gönnen sich Massagen, Kosmetikbehandlungen, künstliche Fingernägel oder modische Kleidung. Dabei müsste unserer Leber mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Warum?

Nadia Beyer Die Leber ist nicht nur unser wichtigstes Stoffwechselorgan, sondern auch das wichtigste und leistungsstärkste Entgiftungsorgan unseres Körpers. Seine Zellen weisen die höchste Konzentration an Entgiftungsenzymen auf, welche sämtliche Schadstoffe in einem zweiphasigen Prozess entgiftet. Die Leber sorgt dafür, dass die vorwiegend fettlöslichen Schadstoffe in eine wasserlösliche Form umgewandelt werden. Nur so können sie über die Galle in den Darm abgegeben und schließlich mit dem Stuhl ausgeschieden werden oder aber über das Blut zu den Nieren transportiert werden, um dort über den Urin den Körper zu verlassen.  Leider geht es aber gerade der Leber, die für unser Leben lebensnotwendig ist, oftmals gar nicht gut. Grund für den schlechten Zustand sind neben der generellen Zunahme an Giftstoffen, vor allem unsere Überernährung an Kohlenhydraten und ein Mangel an körperlicher Bewegung. Beides führt zu übermäßigen Fetteinlagerungen in die Leber, die auch immer mehr äußerlich Schlanke betrifft. Diese Fetteinlagerungen gefährden die Leber besonders dann, wenn gleichzeitig ein Mangel an Antioxidantien besteht und die Fette oxidativen Schaden nehmen, sprich, ranzig in uns werden. Dies wiederum beeinträchtigt mit der Zeit massiv die Entgiftungsleistung der Leber und fördert Entzündungen. Ein weiterer Grund für den oftmals schlechten Zustand der Leber ist - neben Alkohol und Medikamenten - eine gestörte Darmflora, ein Mangel an natürlichen Bitterstoffen und die Zunahme an Stress und Schlafmangel. 

Hipburn Hormone im Trinkwasser, in Kunststoffen und im Verpackungsmaterial: Diese Substanzen stellen eine immense Herausforderung für Mensch und Tier im 21. Jahrhundert dar. Was sind die Folgen und wie lässt sich dieses Problem lösen? 

Nadia Beyer Das stimmt. Wie wir heute wissen, können viele vom Menschen geschaffenen Substanzen Störungen unseres Hormonsystems verursachen, angefangen bei den Sexualhormonen bis hin zu den Schilddrüsenhormonen. Sie werden im Fachjargon auch als endokrine Disruptoren bezeichnet und können schon in sehr geringen Konzentrationen großen Schaden anrichten. Wie wir heute wissen, verursachen endokrine Disruptoren irreversible Schädigungen in der Entwicklung von Organismen. Durch ihre Östrogenwirksamkeit fördern sie zudem bestimmte Krebsarten und gefährden durch eine zunehmende Verweiblichung ganze Tierpopulationen. Die Zunahme an Unfruchtbarkeit beim Menschen und eine immer früher einsetzende Pubertät bei Mädchen werden mittlerweile ebenfalls mit diesen endokrinen Disruptoren in eine ursächliche Verbindung gebracht.  Um uns der Gefahr durch diese Substanzen zu entziehen, ist es wichtig, dass wir unser Möglichstes tun, um den Kontakt und die Aufnahme dieser Substanzen in unseren Körper zu vermindern und unser Konsumverhalten zu verändern. Das können wir zum Beispiel, indem wir den Kontakt mit Plastik im Alltag versuchen, bestmöglichst zu reduzieren und besonders den Kontakt unserer Lebensmittel und unserer Haut mit endokrinen Disruptoren über Plastik, Kosmetikprodukte und Konserven zu vermeiden. Wir sollten Wasser nicht mehr aus Plastikflaschen trinken oder so viele verpackte Lebensmittel kaufen. Stattdessen macht es Sinn, sein Trinkwasser durch einen Kohleblock zu filtern, möglichst auf frische naturbelassene Lebensmittel und, wo immer möglich, auf Bio-Lebensmittel zurückzugreifen. Lebensmittel sollten wir zudem in Glasbehälter und nicht in Tupperdosen aufzubewahren. 

Auch tun wir gut daran, unsere Leber-, Darm- und Nierengesundheit zu fördern, um unsere Entgiftungsleistung zu verbessern. Ich denke, wir müssen alle umdenken, achtsamer werden und nicht aus Bequemlichkeit weiter der Masse folgen. Oft zeigen sich die Konsequenzen unseres Fehlverhaltens zudem erst Jahrzehnte später. Daher gilt es, sich das Hier und Jetzt bewusst zu machen.

Hipburn Beim Lesen Ihres Buches stelle ich fest, dass sich Demut einstellt, da sich Lebenswünsche plötzlich verändern. Weg von glamourösen Luxusgütern, hin zu einem einzigen und wertvollen Lebensziel: Einer gesunden Darmflora. Welche immense Bedeutung und Auswirkung hat ein gesunder Darm?

Nadia Beyer Der Darm ist in meinen Augen die Wiege der Gesundheit und gleichzeitig auch der Entstehungsort vieler Krankheiten, besonders wenn die Verdauung geschwächt ist oder wir uns unvorteilhaft ernähren. 

Der Darm und seine Schleimhaut bildet die wichtigste und größte Grenzfläche zwischen Umwelt und Innenwelt und beherbergt deshalb auch den größten Teil unserer Immunabwehr. Mit einer Länge von 7,5 Metern und einer Oberfläche von ca. 200-300 Quadratmetern ist er das größte Organ unseres Körpers, auf dessen Tennisplatz großer Schleimhaut Antikörper haften und in dessen Schleimhaut sich verschiedenste Immunzellen befinden, die uns vor krankmachenden Keimen und Fremdeiweißen schützen. 

Auch ist die Darmschleimhaut, ähnlich wie die Leber, ein Ort, an der eine Vielzahl enzymatischer Entgiftungsreaktionen ablaufen. Hinzu kommen die zwei Kilogramm Mikroorganismen, die unser Darm beherbergt und die uns gesund erhalten oder aber auch sehr krank machen können. Unsere Ernährungsweise und unsere Verdauungskraft entscheidet maßgeblich darüber, wer sich in uns ansiedelt: Freund oder Feind – Symbiont oder schmarotzender Parasit. 

Hipburn Inwiefern kann eine gestörte Darmflora Verursacherin für psychische Erkrankungen sein, die nachweislich seit Jahren kontinuierlich zunehmen? 

Nadia Beyer Die Darmflora kann sich durch eine vermehrte Belastung mit Umweltgiften, aufgrund unserer Ernährungsweise und Verdauungsschwäche, deutlich verschieben. Dies hat zur Folge, dass sich Mikroorganismen teilweise in sehr hartnäckigen Biofilmen in unserem Darm ansiedeln und vermehren, was unsere Darmschleimhaut in Mitleidenschaft zieht. Ist die Darmschleimhaut nicht mehr intakt, wird der Darm durchlässig und ein sogenannter Sickerdarm entsteht, durch den nun vermehrt Fremdeiweiße, einschließlich Zellwandbestandteile von Bakterien in unsere Lymphe und unseren Blutkreislauf gelangen. Besonders Fäulnisbakterien schaden uns, weil sie über Zellwandbestandteile verfügen, sogenannte LPS (Lipopolysaccharide), die die Eigenschaft haben unser Immunsystem massiv in Alarmbereitschaft zu versetzen und die Bildung entzündungsfördernder Botenstoffe im Körper auszulösen. Diese Entzündungsstoffe treten wiederum in Wechselwirkung mit unserem Nervensystem, können über die Blut-Hirn-Schranke bis ins zentrale Nervensystem gelangen und dort entzündliche Veränderungen und Funktionsstörungen hervorrufen.  Dies ist aber nur einer von vielen Mechanismen, der erklärt, dass deutliche Wechselwirkungen zwischen unserer Darmflora, unserem Immunsystem und unserem Nervensystem bestehen. Aus dem Forschungsgebiet der Psychoneuroimmunologie wissen wir, dass es noch eine Vielzahl weiterer Mechanismen gibt, die diese Wechselwirkungen erklären. 

Mikroorganismen sind beispielsweise in der Lage, verschiedenste Nervenbotenstoffe, kurzkettige Fettsäuren und hormonähnliche Substanzen zu produzieren, die direkt mit dem vegetativen und zentralen Nervensystem wechselwirken und so unsere Psyche, unsere Stimmung und unser Verhalten beeinflussen. Besonders neurologische, neurodegenerative und neuropsychiatrische Störungen, wie Autismus, ADHS, Depressionen, Angstzustände, Alzheimer und Morbus Parkinson stehen im engen Zusammenhang mit Störungen der Darmflora.  Mit Hilfe der Ernährung, der Gabe bestimmter Probiotika, Ballaststoffe oder auch Stuhltransplantationen versucht man deshalb heute die Darmflora gezielt zu beeinflussen, um so Krankheiten über den Darm zu heilen. Mittlerweile hat man sogar Milchsäurebakterien identifizieren können, die sich besonders positiv auf das Nervensystem auswirken und zukünftig wohl als 'Psychobiotika' bezeichnet und auf den Markt kommen werden.

Hipburn Warum sollte ein regelmäßiges Entgiften des Körpers Teil des persönlichen Lebensstils werden?

Nadia Beyer In erster Linie, weil wir heute nicht mehr verhindern können, dass wir jeden Tag auf’s Neue Giftstoffe in uns aufnehmen. Wenn wir es schaffen, jeden Tag mindestens so viele Giftstoffe auszuscheiden, wie wir aufs Neue aufnehmen, verhindern wir, dass Schadstoffe bis zu einem kritischen Punkt in uns akkumulieren und uns krank machen. Eine einmal jährlich durchgeführte Detox-Kur oder eine ein- oder mehrwöchige Fastenkur kann nicht ersetzen, was Veränderungen unseres Lebensstils zu bewegen in der Lage sind. Keiner kann es sich im Grunde heute mehr leisten, das Thema Entgiftung zu ignorieren, wenn wir in dieser Welt, in der wir uns selber zudem nicht 'artgerecht halten', bestehen wollen!

Hipburn In Ihrem Buch behandeln Sie das Thema 'Operation ohne Messer'. Was verstehen Sie darunter?

Nadia Beyer Diesen Terminus verwende ich im Kontext mit dem Thema Fasten bzw. bewusst eingehaltenen Nahrungspausen. Durch regelmäßige Zeitfenster des Nichtessens können wir im Körper segensreiche Prozesse anstoßen. So zum Beispiel den Prozess der Autophagie, den man mit einem Hausputz oder Qualitätsmanagement der Zelle vergleichen kann. Wenn wir beispielsweise regelmäßig nächtliche Essenspausen von rund 14 Stunden einhalten oder auch mal ein oder mehrere Tage nichts essen, geben wir unseren Zellen die Möglichkeit, alte Zellbestandteile einzuschmelzen, zu recyclen und genetisches Material zu reparieren. Auch wird der Körper so widerstands- und anpassungsfähiger gegenüber Stressoren. Der Körper kann eingedrungene Viren und Bakterien zudem effektiver vernichten und sich stärker der Neubildung von Mitochondrien, Nerven- und Immunzellen widmen, die besonders unter Schadstoffeinfluss zugrunde gehen.

Hinzu kommt, dass wir dem Dünndarm ermöglichen sich durch eine gesonderte Form der Darmbewegungen, die nur nüchtern stattfinden, besser von Unverdautem und von Bakterien zu reinigen. Durch Nahrungspausen säubern, erneuern und regenerieren wir uns – es ist der ultimative Gewinn durch ein bisschen bewussten Verzicht.

Hipburn Inwiefern können wir in unserem kontaminierten Alltag Giftstoffe überhaupt noch reduzieren? Welche wichtigsten Punkte sollten dringend umgesetzt werden?

Nadia Beyer Wenn man so manches Mal über die vielen Giftstoffe liest und hört, kann einem schon schwindlig werden und man ist verleitet in Resignation zu verfallen. Das sollte man aber keineswegs, denn manchmal sind es schon Kleinigkeiten, mit denen wir unsere Belastung enorm herunterschrauben können. Noch wichtiger ist aber in meinen Augen, dass wir verstärkt Vitalstoffe und natürliche Substanzen aufzunehmen, die uns helfen, Schadstoffe erst gar nicht in dem Maße im Körper zu akkumulieren und die uns helfen diese besser auszuscheiden.

Was wir alle beherzigen und bestmöglichst vermeiden sollten sind in meinen Augen unnötige Schadstoffquellen, wie z.B. erhitzte Pflanzenöle, fluoridierte Zahncremes, der Verzehr von hoch belasteten Fischarten, der Einsatz von Teflonpfannen und Lebensmittel, die in Plastik, Tetrapack oder Aluminium verpackt sind oder mit diesen Materialien Kontakt hatten. Auch tun wir gut daran, möglichst viel Bio zu kaufen: Von Lebensmitteln, Kosmetik bis hin zu Unterwäsche und anderer Kleidung. Auch sollten wir uns kritisch mit Zahnfüllmaterialien, dem Thema Zahnsanierung und Impfausleitung auseinandersetzen. 

Für ebenso wichtig halte ich, der körpereigenen Bildung von Giftstoffen im Darm vorzubeugen, indem wir unsere Verdauungskräfte stärken und so Entgleisungen der Darmflora verhindern. In meinem Buch finden Sie eine Vielzahl an Anregungen, wie Sie ihre Schadstoffaufnahme senken und Ihre Verdauungs- und Entgiftungskapazität deutlich verbessern können.

Hipburn Sie vertreten die These: 'Ein guter Arzt muss kochen können'. Warum?

Nadia Beyer Weil gesunde Ernährung aus meiner persönlichen Erfahrung eines der wichtigsten Arzneien darstellt, die außerdem Jedem zur Verfügung steht und keine Nebenwirkungen hat. Mit der einen Ausnahme, dass uns das anders essen keiner abnimmt. Das Potential, das in einer Optimierung der eigenen Ernährung schlummert, wird vielfach noch völlig unterschätzt und traurigerweise auch noch viel zu wenig genutzt, geschweige denn ausgeschöpft. Der Grund dafür ist oft Unwissenheit und unsere im Leben gesetzten Prioritäten. Bevor wir zu Medikamenten greifen, bin ich der Meinung, dass wir uns immer erst unserer Ernährung zuwenden sollten, so wie es Generationen und traditionelle Medizinsysteme, wie die Traditionelle Chinesische Medizin oder das Ayurveda, über Jahrtausende vor uns gemacht haben. Es gibt so Vieles, was sich durch eine Umstellung der Ernährung gesundheitlich bewegen und verbessern lässt. Viele Menschen, einschließlich der Ärzte, wissen oder haben oftmals nie erlebt oder selbst erfahren, was Ernährung und zusätzlich zugeführte Nährstoffe wirklich leisten können. Schön wäre es, gesunde Ernährung bekäme deshalb einen höheren Stellenwert in der Medizin, in der Gesellschaft und am Arbeitsplatz. 

Hipburn Intensiv setzen Sie sich mit dem Thema Essen, Genuss und 'Essen to go' auseinander. "Du bist, was Du isst und wann Du isst", so Ihr Credo. In welchem Kontext steht Ernährung und Wohlbefinden? 

Nadia Beyer Da sprechen Sie ein wichtiges Thema an, denn neben dem WAS wir essen, hat das WIE und WANN in meinen Augen eine große Bedeutung. Das Timing unserer Mahlzeiten und dass wir uns ausreichend Zeit zum Essen lassen, um zu kauen und zu genießen, spielt eine ganz bedeutende Rolle für unsere Gesundheit und damit auch unser Wohlbefinden. Besonders für unsere Verdauungsgesundheit ist es keinesfalls egal, ob ich im Gehen, Stehen oder im Sitzen esse, ich gut oder nicht so gut kaue oder ob ich meine Hauptmahlzeit regelmäßig in den Mittag- oder bevorzugt in den Abendstunden einnehme.

Essen und Verdauen braucht ausreichend Entspannung. Auch hat die Erforschung unserer biologischen Uhren gezeigt, dass unser Körper keinesfalls auf Multitasking ausgerichtet ist. Stattdessen bevorzugt er Arbeitsteilung und zu bestimmten Tageszeiten bestimmte Körperprozesse zu intensivieren, während er sie zu anderen Zeiten zurückfährt. Das tiefere Verständnis über unsere Körperrhythmen, Organ- und Zelluhren hat meine Sichtweise einer gesunden Ernährung über die Jahrzehnte stark verändert. 

Hipburn Werde zum 'Gemüselover', so die Botschaft in Ihrem neuen Buch. Warum das klare Bekenntnis zu Pflanzen?

Nadia Beyer Den Konsum von Gemüse kann ich gar nicht stark genug betonen. Ich persönlich habe mit der Zeit meiner Heilreise eine ganz besondere Liebesbeziehung zu diesen Pflanzen – allen voran zu grünen Gemüsesorten und Kräutern - entwickelt. Und das nicht, weil ich glaube, dass wir reine Pflanzenfresser, sprich Veganer sind, sondern weil Gemüse und Kräuter für mich aufgrund ihrer Zusammensetzung und meiner Erfahrung nach Heilkost darstellen. Sie sind schlichtweg unsere besten Entgiftungshelfer und Schutzengel zugleich. 

Gemüse und Kräuter sind diejenigen Lebensmittel mit der höchsten Nährstoffdichte, d.h. sie liefern pro Kalorie am meisten Vitamine und Mineralstoffe, allen voran Kalium und Magnesium, welche eine ganz wesentliche Rolle bei der Entgiftung und im Zellstoffwechsel spielen und nur in pflanzlichen Lebensmitteln in ausreichenden Mengen zu finden sind. Das Tolle am Gemüse ist auch seine Fülle an sogenannten bioaktiven Substanzen und sekundären Pflanzeninhaltsstoffen, die die Entgiftung auf verschiedene Weise massiv unterstützen. Speziell hervorzuheben sind hier die Polyphenole, Carotinoide und das Chlorophyll in grünem Gemüse. Durch den geringen Stärkeanteil bietet das Zellinnere dieser Pflanzen mehr Platz als anderes Gemüse für wertgebende Inhaltsstoffe. Auch ist Gemüse hoch basisch, was die Ausscheidung von Giftstoffen zusätzlich erleichtert und ist es dem Obst an Nährstoffen und meist auch an Verträglichkeit weit überlegen. 

Bedauerlich essen wir alle jedoch viel zu wenig Gemüse und erreichen oft nicht einmal die Zufuhrempfehlungen der DGE (Deutschen Gesellschaft für Ernährung) von circa 450 g am Tag und damit zum Beispiel auch nicht die Empfehlungen für Kalium. Gemüse wird heute zunehmend durch andere Lebensmittel auf unseren Tellern verdrängt, allen voran durch die beliebten Sattmacher, wie Brot, Nudeln und andere Teigwaren, die viel zu häufig ganze Mahlzeiten ausmachen. Diese kohlenhydratreichen Sattmacher, die wir gerne mit Fett kombinieren, sind reich an Kalorien und vergleichsweise arm an Mikronährstoffen. Da wir für ihre Verstoffwechselung im Körper aber Vitamine und Mineralstoffe benötigen, die sie selber nicht ausreichend mitbringen, ist der Körper durch leere Kalorien gezwungen seine Vitalstoffvorräte aufzubrauchen. Wir rutschen in einen Vitamin- und Mineralstoffmangel, der schließlich auch Entgiftungsprozesse einschränkt. Wir verhungern so quasi vor vollen Schüsseln. 

Hipburn Inwiefern spielt das Trinken für die Entgiftung eine wesentliche Rolle?

Nadia Beyer Trinken spielt eine bedeutende Rolle, weil wir für viele entgiftungsrelevante Reaktionen und Funktionen im Körper Flüssigkeit benötigen, sei es als Transport- und Lösungsmittel für Giftstoffe oder aber als Aktivator von Entgiftungs- und Verdauungsenzymen. Wichtig ist dabei besonders auf die Qualität des Trinkwassers zu achten, sei es bezogen auf seine chemische Reinheit, Zusammensetzung oder auch auf seine physikalische Struktur. Ich empfehle Leitungswasser, das durch einen guten Kohlenblockfilter gereinigt wurde sowie verwirbeltes Wasser oder noch besser: echtes Quellwasser, also Wasser, das von alleine an die Oberfläche tritt ohne gepumpt zu werden und in Glasflaschen abgefüllt wurde. Neben Wasser spielen aber auch Flüssigkeiten, wie sie natürlich gebunden in Obst und Gemüse vorkommen, sowie die frisch gepressten grünen Gemüsesäfte für die Entgiftung und Ernährungstherapie eine sehr entscheidende Rolle. Gemüse in dieser flüssigen Form ist an Bekömmlichkeit nicht zu übertrumpfen und erlaubt uns große Mengen an Rohkost mit seiner Fülle an Vitalstoffen, Enzymen, Photonen und Ordnungskräften aufzunehmen, ohne die meist schon geschwächte Verdauung zu belasten.

Hipburn Statt Kaffee empfehlen Sie 'eine Tasse Sonne'. Was hat es damit auf sich? 

Nadia Beyer Ja, das stimmt. Und das sage ich, weil Kaffee ein aus gesundheitlicher Sicht zweischneidiges Schwert ist. Es ist nicht für jedermann das Superfood, als das es derzeit zu unserer aller Freude in den Medien gehyped wird. Kaffee hat als Stimmungsaufheller und zur Leistungssteigerung ohne Zweifel seine Vorzüge, er hat aber auch seine Schattenseiten, die man kennen sollte, besonders wenn man unter einer chronischen Krankheit, Schlafstörungen, Verdauungsstörungen oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten leidet. Die individuelle Verträglichkeit von Kaffee ist zudem von einer Vielzahl individueller Faktoren abhängig, angefangen von Alter, Genetik, Schadstoffbelastung bis hin zur Schleimhautgesundheit und dem persönlichen Konstitutionstyp. 

Fakt ist, dass Kaffee bzw. Koffein wach macht und die Stimmung hebt. Aber was das angeht, kann Sonne dem Koffein mit Leichtigkeit das Wasser reichen. Sonne lässt uns reichlich Serotonin und Dopamin ausschütten und viele trinken oftmals nur Kaffee, um unbewusst das fehlende Sonnenlicht zu kompensieren. Sonne kann aber noch so viel mehr als die Seele aufheitern. Sonne ist unser aller Lebenselixier, weil es durch die Anhebung des Glückshormons Serotonins und dessen späteren Abbau zum Dämmerungshormon Melatonin unsere innere biologische Uhr steuert. Nur wenn wir genug von ihm bilden, werden wir abends richtig schön müde und schlafen gut. Da ein Leben mit diesem biologischen Rhythmus so wichtig für den Erhalt unserer Gesundheit ist und Kaffee unsere biologische Uhr eher nach hinten verstellt, in dem es die Produktion von Melatonin verzögert, empfehle ich statt Kaffee täglich lieber eine gute Portion Tageslicht.

Tages- bzw. Sonnenlicht regt außerdem die körpereigene Bildung des wichtigen Vitamin D an, das wir über die normale Nahrung nicht in ausreichender Menge aufnehmen können. Seine Wirkungen sind so weitreichend und bedeutend für unsere Gesundheit und auch unsere Entgiftungsfähigkeit, dass ich es gar nicht stark genug betonen kann. Es erhöht die Aktivität unserer Entgiftungsenzyme, stärkt unser Immunsystem und zeigt eine antioxidative und antientzündliche Wirkung. Licht fördert aber auch die Verdauung, senkt den Blutzucker und Blutdruck und unterdrückt ein überaktives Immunsystem bei Autoimmunerkrankungen. Auch fördert Sonne die Durchblutung, indem es für eine bessere Weitstellung und Elastizität der Blutgefäße sorgt.

Hipburn Schlaf. Nur sechs Buchstaben, die aber elementar entscheiden über Vitalität und Wohlbefinden. In Ihrem Buch geben Sie Tipps über Schlafdauer, Schlafrituale sowie über 'Do´s and Don´ts'. Warum sollte Schlaf nicht vernachlässigt werden?

Nadia Beyer Ohne Schlaf sehen wir in der Tat alt aus. Wer seinen Schlaf vernachlässigt und chronisch zu wenig schläft, wird krank, leidet z.B. eher an Übergewicht, Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen und Alzheimer. Untersuchungen zeigen, dass der Mensch von heute im Vergleich zum Mensch vor 1940 insgesamt eine Stunde weniger schläft. Interessant finde ich dabei, dass schon nach nur einer zu kurzen Nacht, unser Spiegel an Stresshormonen ansteigt, sich ein erhöhter Blutzucker entwickelt und der oxidative Stress in unserem Körper zunimmt. Hinzu kommt unser meist größeres Verlangen nach Zucker, Fett und Stimulantien – alles Dinge, die unser Entgiftungs- und Verdauungssystem unnötig belasten. Besondere Tragweite hat ein chronisches Schlafdefizit aber auch für die Funktion unseres Gehirns, denn die schützende Blut-Hirn-Schranke wird unter Schlafmangel leichter durchlässig, so dass Schadstoffe und Entzündungseiweiße über die Blutgefäßwände leichter ins Gehirn durchsickern und es so gefährden können. 

Genug Schlaf hingegen bewirkt genau das Gegenteil, es wirkt verjüngend, antioxidativ, fördert einen gesunden Stoffwechsel und – was mich im Zuge dieses Buches speziell interessiert hat – er fördert die Regeneration aller Körperzellen und hilft uns zu entgiften. Schlaf regt den Parasympathikus an, dass heisst, den Teil des vegetativen Nervensystems, der auch die Aktivität der entgiftungsrelevanten inneren Organe fördert, allen voran die der Leber, die im Liegen rund 40 Prozent stärker durchblutet wird.  Besonders beeindruckt hat mich bei der Beschäftigung mit dem Thema Schlaf aber die entgiftende Wirkung des Schlafens auf unser Gehirn. Wie wir heute wissen, schrumpft das Gehirn im Schlaf, so dass sich der extrazelluläre Raum erweitert und unser Gehirn verstärkt von einer der Lymphe vergleichbaren Gehirn- und Spinalflüssigkeit umspült wird. So wird eine Selbstreinigung des Gehirns ermöglicht, bei der Toxine, defekte Eiweiße und Ablagerungen, wie ß-Amyloid-Plaques oder Tau-Proteine verstärkt aus dem Gehirn ins Blut geschwemmt werden. Sie spielen eine Rolle in der Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen wie Demenz. Verantwortlich für eine Vielzahl der positiven Wirkungen ist dabei das Dämmerungshormon Melatonin, das in der Zirbeldrüse gebildet wird.

Hipburn "Kochen ist der beste Arzt", so Ihr Credo. Kochen Sie regelmäßig? Wie managen Sie das Thema Kochen bei Ihrem Fulltime-Job?

Nadia Beyer Ja, ich koche regelmäßig - um nicht zu sagen täglich. Aber das muss man sich nicht immer unsagbar kompliziert und aufwendig vorstellen. Gerade die Ernährung, die dem Körper hilft zu entgiften, ist in der Zubereitung recht einfach gehalten. Aufwendiges Brutzeln und Braten entfällt dabei für mich und Gerichte bestehen gewöhnlich auch nicht aus allzu vielen verschiedenen Zutaten. Vieles lässt sich außerdem so vorbereiten, dass das eigentliche Kochen wenig Zeit in Anspruch nimmt und einiges lässt sich auch gut im Voraus kochen oder auf Vorrat zubereiten, so z.B. Pestos oder Brühen.  Auch habe ich immer Reste im Kühlschrank, die ich mir schnell warm machen kann und mit etwas frisch Zubereiten ergänze. Zum Beispiel habe ich immer angekeimte Linsen oder gegarte Kartoffeln im Kühlschrank, die ich mir schnell warm machen und mit gegartem Gemüse, Avocado und pürierten frischen Kräutern oder etwas Salat zu einem Gericht zusammenstelle. Auch lässt sich eine vorgekochte Brühe, die ich in Schraubgläser abgefüllt im Kühlschrank habe, schnell zu einer Suppe aufmontieren, indem ich Gemüse reinschnippel, Linsensprossen, mal ein Ei und immer etwas frische Kräuter hineingebe. 

Praktisch finde ich auch Backofengemüse, das, während ich arbeite, vor sich hin backt und das ich mir später auch kurz wieder warm machen und mit etwas Avocado oder auch fertigen Dipps und Aufstrich essen kann.

Hipburn Was haben Sie hinsichtlich Gemüse, Obst, Kräutern bzw. Gewürzen immer im Haus?

Nadia Beyer Immer im Haus habe ich die Zutaten, die ich für meine so wichtigen grünen Säfte benötige. Aus ihnen kann ich praktischerweise auch immer ein warmes Gericht oder einen Salat zaubern, so dass im Hause Beyer quasi nie Lebensmittelknappheit herrscht. Ich kaufe zweimal in der Woche auf dem Wochenmarkt ein, der praktischerweise direkt vor unserem Büro aufgebaut wird. Standards, die immer dabei sind: grüne Blattsalate, Rucola, glatte Petersilie, Koriander, Kohlrabi oder eine andere Kohlsorte, Fenchel und Äpfel. Auch gut lagerbares Gemüse, wie Kartoffeln, Sellerie, Süßkartoffeln und Zwiebeln sowie Avocado als Fettquelle zum Reinbeißen zählen zu meinen Basics. Was Gewürze angeht, habe ich alles im Haus, was das Herz begehrt – das kommt wohl durch meine Liebe zur Ernährung nach den fünf Elementen. Besonders gerne mag ich aber frischen Ingwer, Curry, frischen Majoran, Koriandersamen, Algenflocken, Liebstöckel und Kurkuma.

Hipburn Zum Thema 'Täglich eine Tasse Sonne': Wie viele Minuten pro Tag reicht es schon, sich dem Sonnenlicht auszusetzen?

Nadia Beyer Das kommt ganz drauf an, was man für ein gesundheitliches Ziel verfolgt. Möchte man einfach nur einen gesünderen Biorhythmus und besseren Schlaf, reichen 15-20 Minuten möglichst kurz nach dem Aufwachen aus. Zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit. Durch den Lichteinfall in die Augen wird die Bildung des Hormons Serotonin angeregt, das die Stimmung hebt und zum Abend in das müde und jung erhaltende Melatonin abgebaut wird. Geht es um mehr und möchte ich die Eigensynthese des Körpers an Vitamin D ankurbeln, braucht es hingegen mehr nackte Haut und die passende Jahreszeit. Von Oktober bis März können wir – egal wie sonnig es ist - aufgrund des Sonnenstands leider kein Vitamin D bilden. Die Sonne steht in Ländern über dem 40. Breitengrad dann einfach zu tief, so dass nicht genug notwendige UVB-Strahlung die Erde erreicht.  Zwischen April und September und ganz besonders in der Mittagszeit zwischen elf und 15 Uhr ist die UV-Strahlung hingegen hoch und die Vitamin-D-Bildung sehr effektiv. Je geringer die Bewölkung, je hellhäutiger und je mehr nackte Haut wir zeigen, desto weniger Zeit reicht aus, um sein Mindestmaß an Vitamin D zu bilden. Je nach Hauttyp benötigen Nord- und Mitteleuropäer in der Mittagszeit während der Sommermonate circa 20 Minuten für die Bildung einer Mindestmenge von 2000 Internationalen Einheiten Vitamin D. Diese Angaben gelten aber nur für sonniges Wetter, unbedeckte Arme und Beine und ein Sonnenbad in liegender Körperposition, weil auch der Einfallwinkel der Sonnenstrahlen auf die Haut eine Rolle spielt. Vor elf Uhr und nach 15 Uhr verdoppeln sich die notwendigen Lichtzeiten. Als Faustregel gilt: Ist der Schatten länger als die Körpergröße, findet fast keine Vitamin-D-Produktion statt. Da leider die wenigsten von uns diese zusätzliche Sonnenmahlzeit regelmäßig erhalten, ist die Vitamin D-Versorgung in Deutschland entsprechend schlecht und eine Zufuhr über Nahrungsergänzungen ganzjährig notwendig.

Hipburn Wie und wo schalten Sie nach einem langen Arbeitstag oder einer anstrengenden Arbeitswoche ab?

Nadia Beyer Am besten schalte ich ab auf einem langen Spaziergang, gerne auch mit einer guten Freundin, sowie beim Sport. Eine Runde abends ausgiebig quatschen, herzhaft lachen, Musik hören und Meditieren tut mir auch immer wieder gut. Viel zu selten schaffe ich es hingegen in die Sauna oder zur Massage zu gehen, die mein Hirn am besten abschalten und mich auch am besten entspannen.

Hipburn Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?

Nadia Beyer Freizeit ist etwas, was ich vor lauter ambitionierten Projekte im Grunde wenig habe oder zumindest bisher wenig hatte. Wenn ich sie mir aber nehme, verabrede ich mich gerne mit Freunden, um gemeinsam Natur zu genießen und mich über geistige Themen und persönliches Wachstum auszutauschen. Auch nutze ich die freie Zeit allzu gerne, um mich weiter fortzubilden. Und dazu tummel ich mich viel im Internet oder höre mir englischsprachige Podcasts an.

Hipburn Lieber essen gehen oder selber kochen?

Nadia Beyer Kommt drauf an, in welcher Situation ich mich befinde und was gerade meine Prioritäten sind. Ich geh‘ schon gerne mal essen, einfach weil es in manchen Momenten entspannter sein kann als selbst zu kochen. Auch ist es schön, sich an einen gedeckten Tisch zu setzen oder mal ein etwas aufwendigeres Gericht zu genießen, das man sich selber nicht kochen würde. Zudem probiere ich gerne Neues und mir fremde Gerichte und Küchen aus. Tendenziell würde ich aber schon sagen, dass ich es vorziehe, zu Hause oder bei Freunden zu essen, die meine Ernährungsvorlieben teilen und Wert auf Lebensmittelqualität legen. Je mehr man sich mit Ernährung beschäftigt und je mehr man schon hinter die Kulissen der Gastronomie geblickt hat, desto desillusionierter wird man, sowohl was die eingesetzte Lebensmittelqualität als auch deren Umgang in Restaurants angeht – das trifft besonders auf die Verwendung und den Umgang mit Ölen zu. Hinzu kommt, dass in der Gastronomie oft viel zu viel Salz eingesetzt wird. 

Hipburn Was ist Ihr Lieblingsurlaubsziel und warum?

Nadia Beyer Ein konkretes Lieblingsurlaubsziel habe ich eigentlich nicht. Aber wäre es nicht so weit, wäre es mit hoher Wahrscheinlichkeit Hawaii, wo ich schon mal war, oder die Inseln im Südpazifik. An Hawaii gefällt mir einfach die geballte Schönheit der Natur, die Strände, die Wellen und das tolle Klima. Auch gibt es dort keine gefährlichen Tiere oder Malaria und man trifft auf den Inseln viele alternativ denkende und gesundheitsbewusste Menschen aus aller Welt. Die Landessprache ist zudem englisch, was mir besonders liegt. Da ich jedoch nicht gerne lange Strecken fliege, ziehe ich es im Moment vor. mehrere Monate, und bevorzugt den Winter über, auf der kanarischen Insel La Palma zu verbringen. An der Insel gefällt mir das gleichbleibende Klima und die Tatsache, dass es touristisch nicht so überlaufen ist. Auch lebt meine Mutter jetzt die meiste Zeit des Jahres dort, zu der ich eine enge Beziehung habe und mit der ich mich einfach gerne austausche und beruflich vieles gemeinsam erarbeite. 

Hipburn Was ist Ihr persönlicher Wunsch für die Zukunft?

Nadia Beyer Dass wir Menschen insgesamt bewusster und achtsamer leben, sowohl was den Umgang mit der Natur, unseren Ressourcen als auch im täglichen Miteinander und mit unserem eigenen Körper angeht. Ich wünsche mir, dass die Dinge, über die ich meine heute noch aufklären zu müssen, in nicht allzu ferner Zukunft Allgemeingut sind und sich Arbeitsbedingungen verändern, damit sich Menschen aufgrund äußerer Zwänge nicht mehr in ihrem Berufsalltag kaputt machen. 

Auch wünsche ich mir, dass ich bald wieder mehr Zeit habe, neue kleine interessante Beiträge für meine Homepage zu produzieren, von denen Menschen gesundheitlich profitieren können und die Ihr Verständnis über gesunde Ernährung und Gesundheit erweitern. Und ich hoffe, dass wir Menschen immer neue Lösungen finden, wie wir in dieser immer stärker belasteten Welt psychisch und körperlich bestehen können, ohne chronisch krank zu werden.

Hipburn Wo sehen Sie sich in fünf oder zehn Jahren?

Nadia Beyer Gute Frage, über die ich mir vor lauter Geschäftigkeit oft viel zu wenige Gedanken mache. Ich stelle mir aber vor, wie meine Fachakademie in den nächsten Jahren stetig weiterwächst und ein großes bundesweites Netzwerk aus kompetenten Ernährungstherapeuten entsteht, das Menschen, die bereit sind Verantwortung für ihre eigene Gesundheit zu übernehmen, effektive Hilfe zur Selbsthilfe leistet. Auch stelle ich mir ein Netzwerk mit Therapeuten anderer Fachgebiete vor, die die Besten ihrer Branche sind, und die ich aus Überzeugung weiterempfehle. 

Des Weiteren sehe ich vor meinem inneren Auge, wie die Bitterkräutermischung ANCENASAN herbal, die meine Mutter vor 17 Jahren entwickelt hat und die beim Entgiften und Entsäuern immer zum Einsatz kommt, immer mehr Menschen erreicht und noch bekannter für seine vielen segensreichen Wirkungen wird. 

Einen Großteil meiner Arbeit möchte ich dabei in der Zukunft von meinem Domizil, an einem warmen sonnigen Ort am Meer machen können. Ein Laufband oder Walkingdesk mit Blick auf‘s Meer wäre ganz nach meinem Geschmack und für mich Bewegungsmonster genau das Richtige. 

Zwischenzeitlich ist es Nachmittag geworden. Die Sonne scheint von einem wolkenlosen, azurblauen Himmel. Statt uns einem klassischen Kaffeeklatsch mit dem bekannten dunklen Bohnengetränk hinzugeben, gehen wir nach dem langen Gespräch lieber ins Freie, spüren den warmen Wind auf unserer Haut und genießen 'eine Tasse Sonne'. Und plötzlich ist sie spürbar: Die Lebensfreude und Lebensqualität!

Danke, liebe Nadia Beyer für das sehr informative und interessante Interview! 

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Fotos: Hipburn, Pixabay, Nadia Beyer