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Neue Perspektive auf Hannover: Lindener Türme von Starfotograf Marc Theis
"Als geborenem Luxemburger ist meine Internationalität vorprogrammiert", erklärt Marc Theis und öffnet die Tür zu seinem lichtdurchfluteten Fotostudio, das sich in einem repräsentativen stuckverzierten Altbau befindet. Leinwände, Stative und Scheinwerfer stehen inmitten der hohen Räume und warten auf ihren Einsatz. Ein schwarzes Ledersofa hebt sich stylisch von den weißen Wänden ab, an denen – gut plaziert – moderne Fotografien hängen. Doch Marc Theis ist hier nur selten anzutreffen. Hauptsächlich ist der renommierte und preisgekrönte Fotograf im In- und Ausland unterwegs, um für seine Kunden vor Ort tätig zu sein. Wie keinem anderen Fotografen gelingt es ihm, die Schönheit und Authentizität des Lebens einzufangen. Ob Menschen in persönlichen oder beruflichen Situationen, die Natur oder bedeutende Gebäude: Seit mehr als drei Jahrzehnten arbeitet der Hannoveraner 'old school' im Sinne von handwerklich geprägter Fotografie. Mit Licht und kreativer Gestaltung schafft er so besondere und ganz eigene Bilder. Unverwechselbar und mit großem Wiedererkennungswert.

Fotograf Marc Theis: Unverwechselbar mit großem Wiedererkennungswert

Bewusst distanziert er sich von zeitgenössischen Trends, die heute immer schneller wechseln und durch die digitalen Medien massentauglich werden. 'Weniger ist mehr', so sein Credo. Qualität und Wertschätzung sind ihm – als Gegenpol zur derzeitigen Wegwerfmentalität – wichtig. Wer ist dieser Mann, der so ruhig und zurückgenommen wirkt und sich selbst schlicht als Handwerker bezeichnet? Dabei war er Starfotograf für die gesamten Robinson-Clubs und anderer großer Reiseveranstalter. Er hat die prominentesten Persönlichkeiten dieser Welt fotografiert. Wer ist dieser Marc Theis, der mehrere Sprachen spricht und mehr als 50 Länder bereist hat? Hipburn trifft sich mit dem Ausnahmefotografen zu einem Gespräch in seinem hannoverschen Studio. Wir sitzen auf der schwarzen Leder-Couch. Vor uns auf dem Tisch sein derzeitiges Werkzeug: Eine Nikon D3x.

Hipburn Herr Theis, drehen wir das Rad der Geschichte zurück und setzen alles 'auf Anfang'. Wie sind Sie zur Fotografie gekommen? Was war der Impuls?

Marc Theis Um ehrlich zu sein: ich wurde dazu gezwungen. Um Werbegrafik an der Staatlichen Akademie der Künste in Stuttgart zu studieren, musste ich eine Aufnahmeprüfung bestehen. Der leitende Professor sagte dann bei einem Vorgespräch ich sei sicher talentiert, aber ohne Fotografie in meiner Aufnahmemappe, würde er mir in der heutigen Zeit keine Chancen auf einen Studienplatz geben! Ich ging dann für ein halbes Jahr zur Adolf-Lazi Fotoschule, verkaufte im gleichen Jahr mein erstes Foto an einen Verlag und bestand die Aufnahmeprüfung. Ich war gerade 18 Jahre alt und ab dann war Fotografie nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken.

Marc Theis: "Als geborenem Luxemburger ist meine Internationalität vorprogrammiert"

Hipburn Welche Ausbildung haben Sie durchlaufen?

Marc Theis Mit 15 Jahren begann ich in Luxemburg eine Ausbildung zum Dekorateur und Schriftenmaler. Dann kam Stuttgart mit dem Hochschulabschluss als Werbegrafiker. Mit einem einjährigen Intermezzo als angestellter Fotograf an der Medizinischen Hochschule in Hannover, wo ich die ersten Lebertransplantationen von Professor Pichlmayer fotografierte, studierte ich zwei Jahre ab dem vierten Semester an der Fachhochschule Hannover mit dem Abschluss 'Diplom-Grafik-Designer'.

Hipburn Warum haben Sie sich für die Selbstständigkeit entschieden?

Marc Theis Es war wie bei fast allen wichtigen Entscheidungen in meinem Leben. Keine bewusste, sondern eine ganz spontane Entscheidung die mich in die Selbständigkeit führte. Rund fünf Jahre habe ich bei der TUI in Hannover in der Werbeabteilung gearbeitet und dort das Bildarchiv geleitet. Dann kündigte ich kurz vor meinem 30igsten Geburtstag, nach einer für mich unverständlichen Entscheidung eines Vorgesetzten, über Nacht meinen Job. Einen kurzen Ablauf der nächsten Monate: Meine erste Tochter wurde kurz danach geboren, ich hatte ein Angebot nach Frankfurt als Werbeleiter zu Robinson Clubhotels zu gehen, entschied mich aber in Hannover zu bleiben.

Nach einem Urlaub mit Helmut Zierl folgt die Fotografen-Karriere

Zu dieser Zeit machte ich Urlaub mit meinem Freund Helmut Zierl in einem Robinson-Club und erstellte dort Fotos als Gegenleistung. Rückwirkend bekam ich dann ein Honorar für die sieben Tage und den Auftrag, als 'Robinson-Starfotograf den Club auf Ibiza zu fotografieren. Danach folgten fünf Jahre, in denen ich für Robinson und viele andere große Reiseveranstalter weltweit als Freischaffender fotografiert habe.

Hipburn Wer hat Sie in Ihrer Entwicklung als Fotograf geprägt?

Marc Theis Ein Auftritt von Peter Lindbergh und seine, zu der Zeit unglaublich modernen Bilder, haben mich definitiv geprägt. Zur gleichen Zeit war Andy Warhol der neue große Künstler mit seinen Siebdrucken, die mich heute noch begeistern. Während meines Studiums in Hannover lernte ich Heinrich Riebesehl kennen und schätzen.

Marc Theis: Vorbilder sind Peter Lindbergh und Irving Penn

Mein absolutes Vorbild und Lieblingsfotograf ist definitiv Irving Penn. Meiner Ansicht nach ist er der beste Fotograf nicht nur in der Porträtfotografie. Dann gibt es einige Fotografen, die ich allesamt für ihr Gesamtschaffen und für ihren Stellenwert in der Geschichte der Fotografie großartig finde: Elliott Erwitt, Annie Leibovitz, Ansel Adams, Henri Cartier-Bresson und Richard Avedon.

Beeindruckend: Goldmedaille im weltweiten Nikon-Contest

Hipburn Sie haben die Goldmedaille im weltweiten Nikon-Contest gewonnen. Mit welcher Arbeit?

Marc Theis Das ist ein Bild mit einem laufenden Hund am Strand von Fuerteventura. Fotografiert in 1984, brachte es mir den ersten Preis 'Best Colour Photography' beim weltweiten Nikon Contest, Tokio, Japan. Damit hatte ich nie gerechnet, und es gab mir die letzte Gewissheit: Fotografie ist mein Leben.

Hipburn Was war der Anlass, dass Sie den Verdienstorden des Großherzogtums Luxemburg erhalten haben?

Marc Theis In den 90iger Jahren gab es immer wieder Fragen zum Thema Luxemburg, und keiner in meiner Umgebung konnte weder mit dem Land noch mit den Menschen dort etwas anfangen. Lediglich RTL war ein Begriff. Das Bankenwesen kam hierzulande erst viel später in das Bewusstsein der Menschen. Da entstand die Idee, einen Bildband und eine Ausstellung mit den Menschen aus Luxemburg zu machen. In dem Buch 'D'Letzebuerger' porträtierte ich vom Winzer bis zur großherzoglichen Familie über 80 Personen aus Luxemburg. Das Werk ist bis heute einmalig, und bleibt ein Zeitdokument besonderer Art, da unter anderem Personen der europäischen Geschichte wie Pierre Werner, Gaston Thorn und Georges Santer, aber auch Desiree Nosbusch und Thierry von Wervecke hier vereint zu finden sind. Das würdigte der Großherzogliche Hof mit dem Verdienstorden.

Hipburn Eines Ihrer Projekte heißt 'Weiße Wände'. Warum fasziniert Sie dieses Konzept?

Marc Theis Der Name entstand in einem Gespräch mit Bernd Ziegler und Andreas Kuhnt. Es ist das Angebot an alle Menschen, die eigenen Fotografien in ihren vier Wänden oder ihren Geschäftsräumen haben zu wollen. Viele planen für ihre Privat- oder Büroräume alles, nur nicht die Bilder. Oftmals gibt es Möbel vom Feinsten, aber zum Schluss fehlt meistens das Geld und es wird gehängt, was gerade so da ist. Losgelöst von aktuellen Trends bekommen die Interessierten von mir je nach Wunsch individuelle Bilder. Ich fotografiere auch in den Räumen der Firma und mache daraus, ein auf das Unternehmen zugeschnittenes, Konzept. Bilder von Mitarbeitern, von der Produktion oder beides kombiniert, sind ein absolutes Markenimage. Den Mitarbeitern wird intern, als auch den Besuchern extern, eine neue Dimension von Qualität und Wertschätzung vermittelt.

Hipburn Was macht die Tätigkeit für Sie so interessant?

Marc Theis Resümiert ganz klar: So viele unglaublich interessante Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen aller Couleur. Egal, welcher gesellschaftlicher Position oder Herkunft. Sie dann so zu fotografieren, dass sie alle oder - fast alle - Spaß dabei haben und sich im Nachhinein auf meinem Bild authentisch wiederfinden. Manchmal dauert es bei den zu fotografierenden Menschen eine Weile, da sich nicht jeder gerne auf einem Foto mag.

Definition: Brilliantes Foto und guter Fotograf

Hipburn Was zeichnet für Sie ein hervorragendes Foto aus?

Marc Theis Es sollte auf den ersten Blick eine klare Aussage haben und emotional berühren, was dazu führt, dass man es nicht nur für eine tausendstel Sekunde betrachtet. Da sich unser Sehverhalten in den letzten Jahren zu einem maximalen und schnellen Bildkonsum extrem verändert hat, ist es umso wichtiger, Bilder zu schaffen, die das Gegenteil bewirken.

Hipburn Was zeichnet wiederum einen guten Fotografen aus?

Marc Theis Qualitativ hochwertige Fotografie, einmalige Bilder und an primärer Stelle das Verhalten und die Einstellung des Fotografen. Die Menschen, die Tiere, die Natur und die Landschaften sind das Besondere und das Wichtigste. Sie ermöglichen ihm ein gutes Foto. Der Mensch, der sich eine Kamera leisten kann, sich Fotograf nennt und dies nur nutzt, um sich dabei selber zu inszenieren und zu zelebrieren, ist und wird für mich nie ein guter Fotograf.

Hipburn Was waren Ihre ersten Kameras?

Marc Theis Ich bin sehr konservativ in meinem Kameraverhalten, was daran liegt, dass ich mich nie groß für Technik interessiert habe. Die Kamera ist mein Werkzeug, und ich nutze lediglich manuelle Zeiten und Blenden, um meine Fotos zu belichten. Meine erste Kamera war eine Minolta SRT101, danach die Mamya 4,5x6, später über viele Jahrzehnte die Rollei Mittelformatkameras wie die 8008 integral, und immer wieder Nikon Kameras. Die erste große Ausrüstung gab es anlässlich der Nikon-Preisverleihung.

Hipburn Was ist Ihr Lieblingsland oder Ihr Lieblingsort zum Fotografieren?

Marc Theis Prinzipiell wäre die Liste viel zu lang, da ich überall gerne fotografiere. Für mich gibt es auch nicht das 'bestimmte' Licht. Völliger Quatsch. Mit meiner persönlichen Einstellung zum Menschen und zur Natur sind für mich alle nördlichen Länder sicher die schönsten Fotoziele. Ich liebe Skandinavien und Island und träume von einer Reise nach Kanada.Das ändert aber nichts daran, dass ich Länder wie Frankreich, Italien, Spanien, Portugal oder Griechenland großartig finde, und das nicht nur wegen des Klimas, des guten Essens und der wunderbaren Weine.

Fünf Fragen – fünf Antworten

Fotografieren Sie lieber digital oder analog?

Digital.

Schwarz-Weiss oder in Farbe?

Schwarz-Weiss.

Drinnen oder Draußen?

Draußen.

Entscheidet der Kopf oder der Bauch?

Der Kopf stimmt sich mit dem Bauch ab.

Marc Theis: "Ich möchte das Mystische und Magische festhalten und fotografieren"

Hipburn Wenn Zeit, Geld oder andere Faktoren keine Rolle spielen würden: Wie würde Ihr Traumprojekt aussehen?

Marc Theis Klöster und Tempel in der ganzen Welt fotografieren. Dieser Wunsch entstammt meiner Familiengeschichte. Mein Vater war Kirchenrestaurator, ich selbst war fünf Jahre im Kloster-Internat. Diese Gebäude haben Jahrhunderte hinter sich und viele Menschen haben dort ihr Leben verbracht. Mit schönen und traurigen Ereignissen. Daher möchte ich mit der Kamera das Mystische und Magische dieser besonderen Orte einfangen. Im übertragenen Sinne möchte ich mittels meiner Fotos die Mauern 'wieder sprechen lassen'.

Hipburn An welchen ungewöhnlichen Orten würden Sie gerne fotografieren?

Marc Theis Sehr gerne in Betrieben und Unternehmen, wo noch immer teilweise so gearbeitet wird wie in den Anfängen der Industrialisierung. An der Basis des 'Made in Germany'. Ich bin auf der Suche nach den Spuren des handwerklichen Arbeitens. Leider wird es immer schwieriger, diese Bilder einzufangen, da die meisten Firmen nach außen einen modernen, digitalisierten Betrieb vermarkten wollen. Das führt dazu, dass es mir nur sehr selten erlaubt wird, das noch vorhandene hochwertige Handwerk in Bildern für immer festzuhalten.

Fotowunsch: Künstler in ihrer vielfältigen Arbeitswelt

Hipburn Welche prominenten Persönlichkeiten hätten Sie gerne vor Ihrem Objektiv?

Marc Theis Ich habe bereits so viele prominente Persönlichkeiten fotografieren können, so dass es da keine Wunschliste gibt. Ich finde alle Menschen gleich interessant. Promis werden so oft und gerne von allen fotografiert, alleine schon wegen der eigenen Aufwertung, was ich recht unangenehm finde. Was ich aber in den nächsten Jahren machen möchte: Künstler in ihren vielfältigen Arbeitswelten so einzufangen, wie es in den ersten Zeiten der großen Maler in Frankreich der Fall war. Künstler interessierten mich immer sehr, da sie den Spagat schaffen müssen, in unserer Gesellschaft zu bestehen und gleichzeitig ein Werk zu schaffen, was sie im Nachhinein zu einem wertvollen Teil der Zeitgeschichte machen soll.

Hipburn Gibt es ein 'No-Go' in Ihrer fotografischen Tätigkeit?

Marc Theis Da ich ein großer Pazifist bin, ist für mich die Kriegsfotografie kein Thema. Es ist für mich unerklärlich und nicht nachvollziehbar, auf Menschen oder Tiere zu schießen. Geschweige denn Krieg zu führen. Volle Hochachtung für den Fotografen Robert Capa. Sicher der Beste in diesem Genre.

Marc Theis, der Kosmopolit

Hipburn Inwiefern haben Sie sich durch den Beruf verändert?

Marc Theis Durch Sport habe ich früh gelernt, nie aufzugeben um meine Ziele zu erreichen. Disziplin und viel Ausdauer führen dann fast immer ans Ziel. Durch meinen Job als Fotograf in der Medizinischen Hochschule lernte ich schnell, dass das Leben nicht nur schön, einfach und frei von Leid ist. Das war eine enorm wichtige Erfahrung in meinem Leben. Davor und danach war ich stets ein Reisender dieser Erde. Aus dem kleinen Luxemburg kommend und mit dem Glück im Gepäck, mehrere Sprachen sprechen zu können, bereiste ich schnell mehr als 50 Länder, manche mehrmals. Die dort gemachten Erfahrungen und die wunderbaren Begegnungen haben meine Persönlichkeit für immer geprägt.

Hipburn Was würden Sie heute einem jungen Menschen raten, der gerne Fotograf werden möchte?

Marc Theis Es sollte lieber Film studieren und das Fotografieren nur nebenbei machen! Fotograf ist ja heute jeder, der sich eine Kamera leisten kann. Wer Talent hat, soll offen auf Menschen zugehen und wer Durchsetzungsvermögen hat, soll niemals aufgeben. Dann kann er es auch heute noch schaffen, von der Fotografie als Erwerbsquelle zu leben. Auf Dauer wird es allerdings immer schwerer. Die Zahl der Profi-Fotografen, hier spreche ich von denen, die mit Fotografien sich und ihre Familien ernähren wollen und auch können, nimmt rapide ab. Auch hier gibt es eine Elite, welche über einen bestimmten Zeitraum gutes bis sehr Geld verdienen kann. Aber: Es gilt das Prinzip der Abfallgesellschaft. Der nächste ist schon in der Warteschleife. Die Trends rollen und die meisten versuchen, sich als Nullhonorar-Fotograf zu etablieren. Vergessen aber, dass es in der Regel dabei bleibt. Lehnt man einen Null-Euro-Auftrag ab, macht es der Nächste umsonst. Ein sehr hartes Geschäft.

Hipburn An welche lustigen Ereignisse erinnern Sie sich?

Marc Theis Ein Foto mit einem Studenten aus Kamerun, den ich in einem Rudel mit Straußen in einer Farm nahe Nienburg fotografiert habe. Er stand da mit freiem Oberkörper und hörte in ein Straußenei hinein. Sehr skurril! Die Tiere wollten ihn und mich dauernd kneifen. Wir waren fast drei Stunden mit den Straußen zusammen und ich dachte, es nimmt kein Ende, aber das Foto, damals noch analog auf Diafilm belichtet, wurde einzigartig. Extrem kurios war die Begegnung mit Snoop Dogg. Für ein Porträt wurde ich für zehn Uhr in sein Aufnahmestudio in L.A. bestellt. Zu meiner ganz großen Überraschung durfte ich bereits gegen 10.30 Uhr zu ihm. Mein Erstaunen war umso größer als ich sah - nachdem er mir sehr freundlich die Hand geschüttelt hatte - dass neben ihm ein gutes Dutzend der größten und beeindruckendsten selbstgedrehten Marihuana Tüten aufgestapelt lagen. Eine davon hielt er in der anderen Hand. Dann verließ ich ihn und sollte etwas warten.

Snoop Dogg, Marihuana und eine unglaubliche Nacht

Nach mehr als sechs Stunden Wartezeit in seinen 'heiligen Räumen', wo ich morgens noch zahlreiche Menschen auf dem Boden liegend und friedlich schlafend sehen konnte, bekam ich dann meine Chance, für zehn Minuten das Porträt von ihm zu machen. Dabei gesellte sich ein gutes Dutzend Freunde und Mitarbeiter von Snoop Dogg zu uns, die mir ganz gespannt beim Fotografieren zusahen. Als er das erste Polaroid sehen konnte, durfte ich dann los legen. Kurz vor dem Abschied schenkte er mir eine CD und ich bat ihn um ein Autogramm für meine Tochter Marie. "Babes name?" , fragte er mich und obendrein gab es eine Einladung zu seinem Konzert bei de L.A. Lakers. In derselben Nacht um drei Uhr morgens! Ich ging hin und durfte als einziger Fotograf auf Augenhöhe mit ihm das ganze Konzert fotografieren. Es war unglaublich.

Bildband 'Lost in time': Zerfall für die Ewigkeit

Hipburn Welche Erlebnisse machen traurig oder nachdenklich?

Marc Theis Als ich die Bilder für meinen Bildband 'Lost in time' in den damals noch existierenden 36 Hallen der 'Conti' in Hannover-Limmer fotografierte, kam immer wieder das Gefühl auf, dass hier vor nicht allzu langer Zeit tausende von Menschen jeden Tag zur Arbeit gingen und dort einen Großteil ihres Lebens verbracht hatten. Und nun der Verfall, die Zerstörung und das endgültige Auslöschen dieser Arbeitsstätten. Traurig und nachdenklich beim Fotografieren macht mich eigentlich alles, was mit Zerstörung und dem Verschwinden von hochwertigen und wertzuschätzenden Lebens- und Arbeitsstätten zu tun hat.

Renaissance-Klöster Europas: Foto-Projekt in Polen

Hipburn An welchen Projekten arbeiten Sie zur Zeit?

Marc Theis Ein Bildband 'Großer Garten Herrenhausen' mit Texten von Ronald Clark erscheint demnächst. Der Kalender mit neuen Perspektiven auf Hannover ist in Arbeit und spätestens im Oktober fertig. Darüber hinaus fotografiere ich in Polen eines der größten Renaissance-Klöster Europas, welches sich überwiegend noch in einem Zustand wie kurz nach dem zweiten Weltkrieg befindet. Mit einer Ausstellung in Breslau spätestens im Herbst diesen Jahres, wird das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt. Weitere Ausstellungen in Warschau, Luxemburg und auch in Süddeutschland folgen.

Fotograf Marc Theis: "Manufakturarbeit begeistert mich!"

Parallel fotografiere ich weiter an meinen zwei großen Themen 'HandWerke' und 'Das andere Hannover'.

Hipburn Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Marc Theis Neben der Auftragsfotografie, habe ich den Wunsch, viele Projekte zu realisieren und in Buchform oder bei Ausstellungen vielen Menschen zeigen zu können. Außerdem denke ich vermehrt darüber nach, in Workshops und Seminaren mein fotografisches Handwerk interessierten Menschen zu vermitteln. Weg von der Technik, zurück zum Inhalt des Bildes.

Schweden, Elche und der französische Lebensstil

Langsam verabschiedet sich die Sonne aus dem lichtdurchfluteten Atelier, in dem wir uns nun schon eine ganze Weile unterhalten. Das schwächer werdende Licht ist auch das Zeichen zum Aufbruch. Marc Theis möchte nach Hause, um eine bevorstehende Reise nach Schweden vorzubereiten. "Ich kann dort wunderbar abschalten", berichtet er. "Die beeindruckende, unberührte Natur, die hügelige Landschaft, die roten Häuschen: All das berührt mich sehr. Ich liebe es, einfach nur spazieren zu gehen, viel zu lesen, Pilze zu sammeln und mit der Kamera Elche friedlich zu jagen". Wenn er nicht gerade in Schweden ist, genießt Marc Theis sein Leben mit Freunden. Er mag die lockere Einfachheit und den französischen Lebensstil. "Im Alltag ist es das Schönste, mit Freunden zusammen zu sitzen und bei schmackhaftem, einfachen Essen und leckeren Weinen gute Gespräche zu führen. Zum Genießen brauche ich nicht viel", verrät der gebürtige Luxemburger. "Da reicht auch Brot, Käse und eine gute Nudel".

Fotograf Marc Theis: "Wichtig ist immer, an den Erfolg zu glauben!"

Beim Verabschieden möchte ich noch von ihm wissen, was das Geheimnis seines Erfolges ist. "Jeden Abend gehe ich mit dem Gedanken ins Bett, dass ich am nächsten Tag wieder etwas tolles und interessantes fotografiere. Oder dass ich ein besonderes Buch oder einen einzigartigen Kalender produziere", berichtet er optimistisch. "Wichtig ist, immer an den Erfolg zu glauben", so Marc Theis lebensbejahend. "Dann sind auch die schweren, auftragsarmen Zeiten mit Energie und Mut gut zu überstehen".

Lieber Marc Theis, herzlichen Dank für das Gespräch!

www.marctheis.de

www.kunstfotografie-hannover.de