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Schnelle Schwedin: Nina Ellmark - Weltranglistenvierte im Swimrun
Nina Ellmark ist schnell. Sehr schnell sogar. Zu Lande und zu Wasser. In Stockholm ist die schwedische Swimrunnerin und Ausnahmeathletin als Weltranglistenvierte für ihre beeindruckenden Leistungen in der Saison 2017 geehrt und ausgezeichnet worden. Swimrun ist ein Trendsport aus Schweden, der Abenteuer, Natur und Wettkampf verbindet. Abwechselnd wird -  teilweise mit Neopren-Outfit - querfeldein gelaufen und mit Schuhen geschwommen. Mehrmals hintereinander und ohne Kleidungswechsel. Ein Umziehen, wie bei einem Triathlon, würde zu viel Zeit kosten. Der Swimrun ist eines der härtesten Ausdauerevents der Welt: Doch Nina Ellmark ist mit Liebe und Leidenschaft dabei. Hipburn hat die erfolgreiche Athletin bei der feierlichen Preisverleihung in Stockholm getroffen.

Nina Ellmark: Weltranglistenvierte im Swimrun

Liebe Nina, herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung und zur erfolgreichen Swimrun-Saison im letzten Jahr.

Hipburn Wie intensiv hast Du dafür trainiert?

Nina Ellmark Letztes Jahr bin ich im Mixed Team mit einem Schwimmkollegen und Triathleten angetreten und war ungemein angespornt und motiviert. Zudem bin ich zweimal im Frauenteam gestartet. Beide Kombinationen waren sehr gut und ich habe mich mit beiden Swimrun-Partnern in der Vorsaison, aber vor allem in den Sommermonaten, sehr intensiv auf die Wettkampfsaison vorbereitet. So gut es der Familienalltag erlaubte. Da ich als Lehrerin arbeite, habe ich glücklicherweise acht Wochen Sommerferien. Während dieser Zeit habe ich mehr Zeit und Kraft.

Training in der traumhaften schwedischen Schärenlandschaft

Hipburn Seit wann bist Du Swimrunnerin?

Nina Ellmark Ich habe Anfang Juni 2015 zum ersten Mal bei einem Eintages-Trainingslager einen Swimrun getestet. Hier in den Schären vor Nyköping. Ein wunderschöner Tag und ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Blauer Himmel, glitzerndes Wasser, die traumhafte Schärenlandschaft, vorsommerliche Wärme, eine tolle Trainingsgruppe und volle Verpflegung, um die ich mich nicht selbst kümmern musste. Mein Jüngster war da gerade Mal zehn Monate alt und ich hatte fast vergessen, wie es sich anfühlt, mich nur mal um mich selbst zu kümmern. So konnte ich richtig "die Seele baumeln lassen" – besser als Wellnesshotel oder Spa. Seit diesem Tag bin ich dem Swimrun- Sport verfallen. So oft es ging, trainierte ich mit anderen Swimrunanfängern in den Schären oder in den Seen, die es hier ja in unmittelbarer Nähe gibt.

Begeisterte Swimrunnerin seit dem ersten Wettkampf in Ångaloppet

Im August 2015 war dann der erste Swimrunwettbewerb in Ångaloppet, an dem ich gleich doppelt teilnahm. Beim Elf-Kilometer-Sprint am Samstag und dem 22 Kilometer langen Hauptlauf am Sonntag. Eine Nachbarin hatte mich auf diesen Wettbewerb ein paar Monate zuvor aufmerksam gemacht. Geplant war eigentlich nur die kürzere Sprintdistanz von elf Kilometern. Doch dann wurde ich spontan 'Ersatzfrau' für den 22-Kilometer-Hauptlauf am Sonntag, weil ein Swimrunner plötzlich ohne Partner dastand. Man darf ja nur als Zweierteam starten. Auf meine Ausdauer habe ich bisher immer vertraut – und der Lauf wurde der volle Erfolg. Danach wollte ich mehr Swimrun und ich habe noch – so oft ich Zeit hatte - bis Ende September in der Ostsee trainiert.

Hipburn Was fasziniert Dich am Swimrun?

Nina Ellmark Was mich sofort fasziniert hat, war die Tatsache dass man sich so einfach aus eigener Kraft von Insel zu Insel bewegen kann, ohne Boot und weitere Hilfsmittel. Ein unbeschreibliches Freiheitsgefühl. Man kommt der Natur, der Tierwelt und der Landschaft so nahe. Kommt über Trails an abgelegene Plätze oder auch oft auch „Offtrails“ über Stock und Stein. Jedes Training ist ein kleines Abenteuer.

Jedes Training ist ein kleines Abenteuer

Seit 19 Jahren wohne ich mittlerweile in Schweden. Einer der Hauptgründe zum Kommen und zum Bleiben war für mich immer diese wunderschöne Landschaft, die mir meine Eltern schon im Kindesalter näherbrachten. Mittels mehrerer Wohnmobilurlaube haben wir ganz Skandinavien kennengelernt. Das sind tolle Kindheitserinnerungen. Diese Faszination konnte ich beim Swimrun wieder aufleben lassen. Swimrun ist ein Teamsport. Man ist immer zu zweit. Dass heißt, man tritt im Männerteam, Frauenteam oder Mixed-Team an und muss sich aufeinander einstellen. Schwächen des Einen gleicht der andere aus und man unterstützt sich gegenseitig. Entweder man kommt gemeinsam ins Ziel oder eben gar nicht. Man darf nur maximal zehn Meter voneinander getrennt sein. Nach drei Saisons mit unterschiedlichen Swimrun-Teampartnern kann ich sagen: Man lernt sehr viel über sich selbst, aber auch über seine Teamkollegen. Wie wird Teamfähigkeit gelebt, wenn man an seine körperlichen Grenzen geht? Mich wundert es auch immer wieder, welche entscheidende Rolle die Psyche bei so einem Rennen spielt; vor allem seit meinem Erfolgsjahr 2017. Ich bin definitiv ein Wettkampfmensch!

Swimrun: Ein unbeschreibliches Freiheitsgefühl

Swimrun ist unkompliziert. Das einzige was man braucht, ist ein Neoprenanzug, eine Badekappe, Laufschuhe und ein paar Gleichgesinnte. Man lernt unheimlich nette Leute kennen. Auch ist es egal, auf welchem Niveau man Swimrun betreibt. Aus Sicherheitsgründen wird ein Swimrun und auch das Freiwasserschwimmendass mindestens zu zweit durchgeführt. Unsere Swimrun-Community wächst weltweit und der Sport wird immer beliebter.

Hipburn Du bist verheiratet, berufstätig und Mutter von drei Kindern. Wie schaffst Du das alles mit Deinem Trainingspensum?

Nina Ellmark Das ist natürlich ein schwieriger Balanceakt, denn die Erfolge haben ja gezeigt, dass sich die Arbeit also das Training gelohnt hat. Ich trainiere mehr als noch vor drei Jahren. Nachdem ich vor allem vorletztes Jahr gemerkt habe, dass da noch Entwicklungspotential ist, wollte ich natürlich anspruchsvollere Rennen und bessere Resultate. Ein Platz bei der Swimrun-WM wurde auf einmal greifbar. Das musste jedoch erst einmal mal m Familienrat besprochen werden. Denn so ein Vorhaben hat natürlich auch Konsequenzen auf das Privatleben.

Regelmäßiges Training durch gut organisiertes Berufs- und Familienleben

Zum Glück wohnen wir nur 300m vom Hallenbad entfernt und Trails gibt es hier in Nyköping direkt vor der Haustür. Man kann sich also schnell mal zum Training abseilen. Eine Trainingswoche kann jedoch ganz unterschiedlich aussehen. Je nachdem, was so im Familienkalender steht, versuche mich da natürlich anzupassen. Oft trainiere ich früh morgens, mal in der Mittagspause oder später am Abend, um das Familienleben nicht zu sehr zu stören. Ich habe einige Trainingskollegen, die auch Kinder haben und daher ähnlich planen. Dass heisst: Dann stehe ich auch mal samstags oder sonntags morgens um 6 Uhr auf, um meine Trainingsrunden zu drehen. Um neun Uhr bin ich dann wieder für ein zweites Frühstück mit der Familie zu Hause. Natürlich ist auch die Kooperation und das Verständnis meines Mannes der Grund, warum ich es schon so weit geschafft habe und der Alltag so wunderbar funktioniert. Wir haben jedoch auch ein deutsches Aupair. Diese junge Frau fördert nicht nur die Zweisprachigkeit unserer Kinder, sie hilft und unterstützt auch im Alltag. So bleibt auch mir mehr Zeit für die Kinder und deren Aktivitäten.Im Dezember haben wir einen Strandurlaub in einem Sporthotel gebucht. Eltern und Kinder waren damit zufrieden.

Montréal: Der erste Zehnkilometer-Lauf

Hipburn Warst Du schon immer sportaffin?

Nina Ellmark Ja, mehr oder weniger. Ich fing im Kleinkindalter mit Kinderturnen an sowie mit dem alpinen Skifahren im Winter. Viele Jugendjahre war ich in einer Geräteturnmannschaft aktiv und habe auch Jazztanz, Volleyball und mal Tennis ausprobiert. Aber Schwimmen und Laufen habe ich nie ernsthaft trainiert. Erst gegen Ende meines Studiums entdeckte ich den Laufsport mehr und mehr, vor allem als mich eine Freundin während eines Auslandssemesters auf ein paar Zehnkilometer-Läufe in Montréal mitnahm.

Sportliches Hochzeitsgeschenk: Halbmarathon Stockholm

Als ich dann meinen Mann 2006 traf, waren wir beide Läufer und zum Hochzeitsgeschenk gab es von einer Freundin den 'Halbmarathon Stockholm', den wir 2008 durchführten. Das war damals die weiteste Strecke, die ich bisher gelaufen bin. Seitdem bin ich dann regelmäßig gelaufen. Auch nach den Geburten meiner Kinder 2011, 2012 und 2014. Dank guter Vorbereitung bin ich ziemlich schnell wieder in die Laufschuhe geschlüpft. Während der Schwangerschaft habe ich ein alternatives Training durchgeführt, um den Körper weiter fit und stark zu halten und ich hatte drei unkomplizierten Geburten. In meiner besten Form bin ich seit 2015. Seitdem beschäftige ich mich ernsthafter mit dem Thema Training und treffe in unterschiedlichen Netzwerken Gleichgesinnte Schwimmer und Läufer.

Motivation durch Gruppendynamik

Hipburn Wie motivierst Du Dich?

Nina Ellmark Durch Lauftraining – Mengentraining - in Gruppen. Vor allem beim Langdistanzlaufen hat man Zeit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Bei intensiven Trainingseinheiten pushed man sich gegenseitig an. Funktioniert bei mir wunderbar! Um nicht ganz das Gefühl zu haben, 'rauszukommen', nehme ich in der Wintersaison ab und zu gerne an abenteuerlichen (am liebsten Trail) Laufwettbewerben teil. So konnte ich 2018 meinen ersten Åda-winter-race-Wettbewerb mit einem Gewinn starten. Das hat mich natürlich sehr motiviert. Ende März werde ich bei einem Ultra-Trailrun mitmachen. 45km über Stock und Stein. Das wird ein Ausdauertest. Beim Schwimmen ist das mit der Motivation für mich schwieriger im Winter. Ich schwimme viel lieber im Freiwasser als im Becken, da ich keine 'geborene Schwimmerin' bin. Erst mit Ende Dreißig habe ich damit angefangen. Zum Glück motivieren mich hier meine Vereinskollegen im Schwimmclub in den Wintermonaten sehr. Freiwasserschwimmen ist ja nur von Mai bis September angenehm hier. Daher steht eine Woche Kanaren – oder Ähnliches – gerne auf der Familienwunschliste. Zum Glück auch bei meinem Mann und den Kindern. Die Vorfreude auf so einen Urlaub motiviert natürlich auch.

Wettkampf reiht sich an Wettkampf

Hipburn Welche Wettkämpfe stehen dieses Jahr an?

Nina Ellmark Das Auftaktrennen ist der ÖtillÖ Utö am 20. Mai 2018. Ein insgesamt 43 Kilometer langes Rennen, davon etwa 5.5 km schwimmen. Utö ist der Geburtsort des Swimrun und liegt in den Stockholmer Schären. Es wird ein kaltes Rennen denke ich! Bei diesem Rennen kann man sich auch direkt für die Weltmeisterschaft ÖtillÖ im September qualifizieren und wir hoffen, dass unsere Performance reicht. Dann steht der Stockholm Swimrun Mitte Juni auf dem Programm, ein sehr zuschauerfreundlicher Swimrun, der uns auch durch die königlichen Parks von Stockholm führt. Am 9. Juli ist der ÖtillÖ Engadin in der Schweiz: Das vielleicht spektakulärste Rennen, das ich bisher gemacht habe. Wir fahren mit der ganzen Familie durch Deutschland bis in die Schweiz. Das Engadintal liegt wunderschön auf 1600m Höhe. Man muss man sich erst an die dünne Luft gewöhnen. Bei dem Rennen müssen ganze 1500 positive Höhenmeter bewältigt werden.

Titelverteidigung in Ångaloppet

Im August stehen dann Ångaloppet – elf und 22 Kilometer – auf dem Programm. Titelverteidigung beim Sprint! Mal sehen, wie weit beim Hauptlauf unsere Kräfte reichen. Letztes Jahr habe ich den zweiten Platz in der Mixed-Kategorie geschafft . Fast wie eine Klubmeisterschaft fühlt sich der Ångaloppet an. Man kennt sehr viele Teilnehmer. Nyköping ist ja nicht so gross. Daher begegnet man vielen bekannten Gesichtern und es ist eine gemütliche Stimmung. Norrtälje-Swimrun Ende August wird der letzte Testwettkampf, ehe wir dann am 3. September hoffentlich bei der Swimrun-WM in Sandhamn starten. Ein 75 Kilometer langes Rennen durch die Stockholmer Schären. Zehn Kilometer davon schwimmen. Im September dann ÖtillÖ, die Weltmeisterschaft und Solvalla- Swimrun in Finnland. Und mal sehen was dann noch so kommt…

Ninas Wunsch: Teilnahme und Erfolg bei der Swimrum-Weltmeisterschaft

Hipburn Was sind Deine sportlichen Ziele, die Du Dir gesteckt hast? Welche Wünsche hast Du für die Zukunft?

Nina Ellmark Plane immer nur ein Saison, dann mal sehen. So lange ich keine Verletzungen habe,es Spaß macht und die Zeit ausreicht, geht es weiter. Für dieses Jahr wünsche ich mir eine genauso tolle Saison wie die letzte. Natürlich ist es auch gekoppelt an gute Resultate, aber der Spaß bei der Vorbereitung ist mindestens genauso wichtig. Ganz konkret wünsche ich mir die Teilnahme und einen Erfolg bei der Swimrun-WM in diesem Jahr. Und dann: Mal sehen, was sich so entwickelt. Ich werde diese Saison mit einem sehr starken Teampartner antreten. Er war 2016 bei der Weltmeisterschaft in der Iron Man Distanz in Kona auf Hawaii qualifiziert. Das motiviert mich und es ist mir sozusagen eine Ehre dass er ausgerechnet mich gefragt hat, mit ihm dieses Jahr die gesamte Swimrun-Saison zu machen.

Viele neue Swimrun-Wettbewerbe im Ausland

Gerne würde ich am Costa Brava-Swimrun in Spanien teilnehmen und an einem Swimrun in den USA: Es gibt viele neue Wettbewerbe im Ausland. Aber der Sport geht ganz schön auf den Geldbeutel und so langsam muss ich überlegen ob ich mir einen Sponsor besorge.

Hipburn An welchen Swimruns und in welchen Ländern hast Du schon teilgenommen?

Nina Ellmark Ångaloppet 2015-2017, Stockholm Swimrun 2016-2017, ÖtillÖ Utö 2017, ÖtillÖ Engadin 2017, Nyköping Swimrun 2015-2017, ÖtillÖ 1000lakes, Deutschland, 2016 und 2017.

Hipburn Was machst Du, wenn Du nicht gerade läufst und schwimmst?

Nina Ellmark Familienzeit. Wandern, Skifahren im Winter und – wenn möglich – Reisen. Viel mehr Zeit bleibt nicht für Anderes.

Liebe Nina, vielen Dank für das Gespräch!

Fotos: Irina Kurmanaeva, ÖttilÖ-Swimrun, Ångaloppet-Swimrun, Simma Sverige.se, Maria Lapenkova, Ulf Tjarnström, Christopher Ellmark, Jakob Edholm