HIPBURN - MAGAZIN FÜR SCHÖNE DINGE                
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Die Kluntjes knistern, als Wilhelm Loth heißen ostfriesischen Tee in die kleinen Porzellantassen füllt. Die anschließend zugegebene Sahne steigt in kleinen Wölkchen nach oben. Eine frische Nordseebrise sucht sich den Weg durch das geöffnete Fenster. Im Rahmen dieser angenehmen Teezeremonie nimmt sich Wilhelm Loth Zeit, mit Hipburn über den Wandel des ältesten deutschen Nordseebades zu sprechen. Seit 15 Jahren ist Loth Kurdirektor auf Norderney. Mit seinem Team hat er entscheidenden Anteil an den positiven Veränderungen der Insel. Die 'Königin der Nordsee' hat sich zu einem modernen und innovativen Lifestylebad mit europäischer Ausrichtung entwickelt. Foto: Janis Meyer

Hipburn Herr Loth, Norderney erlebt derzeit einen Wandel vom Traditionsbad zu einer hippen Lifestyle-Insel. Inwiefern tragen die Veränderungen Ihre Handschrift als Kurdirektor?

Wilhelm Loth Die Historie und die Traditionen des Seebades halten wir bewusst weiter aufrecht; wir haben sie nur neu interpretiert und der Insel einen zeitgemäßen Stempel aufgedrückt. So werden alte klassische Gebäude, wie das Conversationshaus, die Marienhöhe oder das rote plüschige Kurtheater mit modernem und innovativen Leben gefüllt. Wichtig ist uns eine Mischung aus insularer Bevölkerung und Gästen. Reine touristische Enklaven lehnen wir ab. Eine eindeutig erkennbare Handschrift unseres Teams ist es, sich Ziele zu setzen. Bis 2020 haben wir beispielsweise das sportliche Ziel, die bekannteste Thalasso-Destination Europas zu werden. Das Thema Thalasso bewegt uns somit sehr. Wir sind stolz darauf, schwarze Zahlen zu schreiben. Das motiviert und spornt an.

Hipburn Aufgrund politischer Unruhen brechen Lieblingsurlaubsziele der Deutschen wie die Türkei, Ägypten, Marokko und Tunesien weg und hiesige Reisegebiete werden zusehends attraktiver. Wie profitiert Norderney von der Situation?

Wilhelm Loth Wir spüren, dass das Thema Sicherheit bei den Gästen eine große Rolle spielt und Verschiebungen zu Gunsten Norderneys eindeutig feststellbar sind. Unsere Gäste fühlen sich auf Norderney sicher; Das ist ein wichtiger Aspekt, um sich körperlich und mental zu erholen. Auch für alleinreisende Frauen ist sicheres Reisen von erheblicher Bedeutung. Dieses 'sich geborgen fühlen' ist ein bedeutendes Modul hinsichtlich unseres Anspruchs bzgl. Qualitätstourismus.

Hipburn Es gibt keine klassischen Saisonzeiten mehr. Mit welchen Argumenten begeistern Sie potentielle Gäste, zum Beispiel im Winter auf die Insel zu kommen?

Wilhelm Loth Wir brauchen – ehrlich gesagt – gar nicht viel, um zu begeistern. Das machen schon unsere Gäste für uns. Wir profitieren daher sehr vom Empfehlungsmarketing. Urlauber, die im Winter auf unsere Insel kommen, tragen die positiven Eindrücke und die Faszination weiter und sind unsere besten Werbeträger! Darüber hinaus haben wir natürlich gute Wellness- und Thalassohotels mit speziellen Winterarrangements. An den Zahlen sehen wir, dass sich gerade in den kalten Monaten immer mehr Menschen für einen Aufenthalt auf Norderney entscheiden.

Hipburn Auf der Internationalen Tourismusmesse Berlin (ITB) waren Schlafstrandkörbe und Badekarren zum Übernachten Trend. Ist dies auch für Norderney denkbar?

Wilhelm Loth Ich finde diese Art von Rückzugsraum schön und die Idee toll, inmitten der Natur zu nächtigen. Wir denken gerade darüber nach, Schlafstrandkörbe für Norderney anzuschaffen.

Hipburn Immer mehr Menschen möchten im Urlaub entschleunigen und den Akku auftanken. Gibt es von Ihrer Seite aus Initiativen, sich mit diesem Gästewunsch intensiver zu beschäftigen?

Wilhelm Loth Der erste Step zur Entschleunigung ist der Transfer mit der Fähre. Bereits diese 45-minütige Überfahrt ist ein guter Einstieg, einen Gang runter zu schalten. Insgesamt gehen die Uhren auf der Insel langsamer als auf dem Festland. Das ist spürbar und jeder wird feststellen, dass er sich alsbald in einem entspannten Modus wiederfindet. Die wunderbare Natur , die Stille und das Klima tragen ebenfalls dazu bei, die Batterie wieder aufzutanken. All das ist pure Entschleunigung. Da müssen wir von Außen gar nicht viel tun. Foto: Carsten Heidmann

Hipburn Welche Projekte stehen für die Zukunft an?

Wilhelm Loth Die Anspruchswelten des Gastes verändern sich schneller als in der Vergangenheit. Daher ist es eine Herausforderung, immer am Puls der Zeit zu bleiben und Trends aufzuspüren. Angedacht ist, den Kurpark an der Napoleonschanze als Rückzugsraum mit 'Denkanstößen' zu versehen. Im Urlaub hat der Gast Zeit, sich mit seinem Leben auseinanderzusetzen. Was war, wo stehe ich, wo möchte ich hin? Die unterschiedlichen 'Denkanstöße' sollen den Besucher zur Selbstreflektion anregen. Weitere Projekte sind, die Thalassoplattformen auf der Insel auszuweiten. Es sind wunderbare – auch spirituelle – Orte, an denen sich die Menschen im Einklang mit der Natur befinden. Demnächst werden am Ostbad Massagen und Schlickanwendungen direkt am Strand angeboten. Um unabhängig vom Regen zu sein, wird diese Einrichtung auch teilweise überdacht. Darüber hinaus ist ein Fünf-Sterne-Hotel geplant, welches ebenfalls das Thema Thalasso aufgreifen wird. Ein Dauerprojekt wird immer sein, Trends aufzuspüren und Trendsetter zu sein.

Hipburn Besten Dank für das Gespräch, Herr Loth!

www.norderney.de