HIPBURN - MAGAZIN FÜR SCHÖNE DINGE                
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Advent. Draußen regnet und windet es. Wie kann der Tag sinnvoll gestaltet werden? Im Bett bleiben und den "lieben Gott einen guten Mann sein lassen?" Och nö, lieber etwas Aktivität denke ich und schlüpfe noch etwas verschlafen aus meinem Kuschelbett. Eine Katzenwäsche reicht, möchte heute ja nicht raus. Aber backen, ja backen, das könnte ich doch mal versuchen! Foto: Gerti Schmücker

Frische Zutaten habe ich vorsorglich eingekauft: Was eine Bäckerin so braucht. Natürlich Mehl und gute Butter, Zucker, Eier, eine Prise Salz und meine Geheimzutat Tonkabohne. Zum Garnieren ein paar Kleinigkeiten wie gehackte Pistazien, Zitronenzesten, Puderzucker, bunte Streusel und Schokoladencouvertüre. Aber dazu später mehr. Voller Optimismus gehe ich ans Werk. Ich, die "Nichtbäckerin" betritt gerade ungewohntes Terrain. Eine Welt der Hausfrauen, Hobbykonditorinnen, Backkünstlerinnen, Garnierexpertinnen, Vorweihnachtszeitengel. Uiih, da habe ich mir ja etwas vorgenommen. Foto: Gerti Schmücker

Zuerst der Teig, kein Problem, alles rein in die pinke Schüssel. Soll ja wenigstens gut aussehen. Selbstverständlich sind die Zutaten genauestens mit der neuen, digitalen Küchenwaage eines namhaften Kaffeeherstellers abgewogen. Das weiß auch ich - beim Backen muss jedes Gramm stimmen. Nix "Pi mal Daumen" wie beim Kochen. Elektrisch mit den Knethaken gemixt, dann noch mit Muskelkraft weiter geknetet, bis der Teig sich in eine homogene Masse verwandelt. Die erste Hürde ist also geschafft!In Frischhaltefolie gepackt geht der Teig ab in den Kühlschrank, wenigstens für eine Stunde. Ein Tipp: Direkt damit ins Gefrierfach. Dann gehts schneller. In der Wartezeit erledige ich die ungeliebten Aufräumarbeiten des "Mehldesasters". Ich mag Mehl nicht, kurioserweise scheint es dem Mehl mit mir aber genauso zu gehen. Überall verteilt finde ich es wieder: Auf dem Boden, hinter der Arbeitsfläche, im Gesicht, in den Haaren - es bleibt einfach nicht dort, wo ich es ursprünglich hingestreut habe. Nun gut, ich bleibe dran. Jetzt wird die Arbeitsfläche gemehlt, samt Nudelholz bzw. Teigroller. Etwas Mehl in die Hände und los geht’s. Schön gleichmäßig dick soll die Teigplatte werden. Leider zeigt sich der Teig recht widerspenstig in Form von Wellen und Knubbeln. Aber ich rolle alles weg! Egal: Ich will jetzt ausstechen. Dazu nehme ich meine knallroten Ausstechförmchen von einem schwedischen Möbeldesigner, die schon seit etlichen Jahren ein unausgefülltes Dasein in meiner Schublade fristen. Das macht mir Spaß, eine Teigform nach der anderen landet unbeschadet auf dem mit Backpapier ausgelegten Backblech. Herzen, Sterne, Figuren, Kreise. Ich bin stolz und ich freue mich, das erste Blech in den vorgeheizten Ofen zu schieben. Foto: Gerti Schmücker

Noch kurz einmal googeln wegen der Temperatur und der Backzeit, mein Backofen ist ja schon ein älteres Modell und hat keine Umluft. Aber ich habe gelesen, das Plätzchen eh‘ besser bei Oberhitze gelingen. Toi Toi Toi. Die Eieruhr klingelt nach zehn Minuten, ein kurzer Blick in den Ofen. Die erste Partie ist fertig, zu dünn ausgerollt, etwas dunkel geworden, aber es duftet herrlich in meiner Küche. Beim zweiten und dritten Blech gebe ich alles, den Teig rolle ich etwas dicker aus, bestäube ihn zwischendurch immer schön mit Mehl, damit nichts anklebt. Die Backzeit verlängere ich etwas, alles gut, alles bestens! Nun müssen die fertigen Kekse auskühlen, bevor ich mit dem Garnieren beginne. Ich bereite verschiedene Garnituren vor, verteilt auf kleine Tellerchen. Die gehackten Pistazien, die bunten Streusel und die Zitronenzesten kann man fertig kaufen. Den Zuckerguss rühre ich mit Puderzucker und Wasser an, die Couvertüre schmelze ich im Wasserbad. Alles schön und gut: Doch es klappt nicht wie geplant. Die Schokolade lässt sich nicht gut auf den Keksen verteilen, zu dick, ebenfalls zu widerspenstig. Also verzichte ich darauf und widme mich den anderen Köstlichkeiten zu. Das Verzieren geht mir gut von der Hand. Fertig! Glücklich begutachte ich meine Adventsplätzchen. Sie sehen zwar aus, als hätten sie Kinderhände geformt - aber das ist mir egal, sie schmecken und ich habe mir Mühe gegeben. Foto: Gerti Schmücker

Fazit: Für rund 50 Kekse stand ich gefühlte 100 Stunden in der Küche, hatte unendlich viele Utensilien zu reinigen, musste mich "entmehlen" und jetzt habe ich "Rücken und Füße". Da zweifle ich doch ernsthaft an der Aussage vieler Hobbybäckerinnen, dass Backen entspannend ist, Endorphine freisetzt und Lust auf mehr macht. Bei mir scheint das nicht zu funktionieren. Dennoch: Es war ein sehr schönes Erlebnis und eine wunderbare Beschäftigung an einem verregneten Adventssonntag. Vielleicht backe ich wieder. Im nächsten Jahr oder im übernächsten?!?