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Seine Liebe gehört der Duchesse de Bourgogne. Sie kommt aus Belgien, hat aristokratische Klasse, duftet zart nach Kirschen und jeder Kontakt mit ihr löst ein prickelndes Gaumenfeuerwerk aus. Enttäuschend für jeden, der jetzt das Bild einer attraktiven blaublütigen und zweibeinigen Schönheit vor sich hat, denn seine Liebe kommt in Form einer Flasche daher. Matthias Kopp ist Biersommelier und die Duchesse de Bourgogne ist sein belgisches Lieblingsbier. Seine Sympathie für die adlige Herzogin aus Flandern lässt sich sogar mit nur sechs Buchstaben beschreiben: Hammer! Foto: Hund Von Welt/Alexander Pawlowski

Bierige Love-Story

Jede Liebe hat ihre Geschichte, so auch bei Matthias Kopp, dessen bierige Love-Story in einer Berliner Kiez-Kneipe ihren Lauf nahm. "Mit meinem damaligen Nachbarn, einem bekannten Berliner Craft-Bier-Brauer, wohnte ich beinahe Tür an Tür", erinnert sich der Sommelier. "Es blieb nicht Tür an Tür, sondern Glas für Glas hat er mir die spannende Welt des handwerklichen Bierbrauens nähergebracht. Wir haben viel gefachsimpelt, lebhaft diskutiert und verkostet. Meine Faszination für das rund 8000 Jahre alte alkoholische Getränk war geweckt! Spätestens jedoch bei einem von ihm kreierten Ingwer-Bier war für mich nach dem ersten Schluck klar, dass ich mich meiner neuen Liebe und Leidenschaft dauerhaft hingeben wollte. Das war rückblickend betrachtet der Grundstein für meinen jetzigen Sommelier-Beruf und auch der Auslöser zur Gründung meines Unternehmens Bier-Faktur". Foto: Hund Von Welt/Alexander Pawlowski

"Meine ersten Tastings habe ich mit Freunden im Rahmen klassischer 'Männer-Grillrunden' durchgeführt", schildert der Bier-Enthusiast seine Gehversuche auf diesem neuen Terrain. "Durch die positive Resonanz meiner Freunde war meine Motivation in Höchstform und ich spürte, dass ich die Hobbytätigkeit als Bierbotschafter professionell auf die Straße bringen wollte".

Aus Hobby wird Profession

Erfolgreich hat Matthias Kopp daraufhin in der Genussakademie der Doemens Sommelierschule die Schulbank gedrückt und seine Prüfung als zertifizierter Biersommelier mit Bravour bestanden. "Die Ausbildung zu diesem neuen Berufszweig ist übrigens einzigartig in Europa", erklärt Matthias Kopp. "Neben der Theorie auf hohem wissenschaftlichen Niveau habe ich diverse Praktika durchlaufen, denn das Erlernen der Biersensorik erfordert viel Training und nimmt in den Intensivkursen einen hohen Stellenwert ein. Die menschlichen Sinne Sehen, Riechen, Hören und Schmecken werden für die Analyse eines Bieres allesamt gefordert: Ein Sommelier muss ein Bier nach Geschmack, Geruch und Aussehen beurteilen". Die Ausbildung erfolgt unter Schirmherrschaft des bayerischen Brauerbundes, des Verbandes der Brauereien Österreichs und des Schweizer Brauerei-Verbandes. Foto: Hund Von Welt/Alexander Pawlowski

Vermittler von Bierwissen

Berufsziel des Sommeliers ist das Vermitteln von Bierwissen, welches den Experten befähigt, Kunden jedweder Art zu beraten. Sei es die Brauerei, den Einkäufer, den Gast oder den Gastronomen. Der Bier-Sommelier kann den Gast beispielsweise über den Herstellungsprozess eines Bieres, die richtige Bierauswahl zur gewünschten Speise sowie über die positiven gesundheitlichen Aspekte eines moderaten Bierkonsums informieren. Auch für die ausgeschenkte Bierqualität und die perfekte Präsentation eines Bieres ist er verantwortlich. Ferner erstellt er die Bierkarte, berät den Koch bei Biergerichten und organisiert den Biereinkauf. Aufgrund seiner beruflichen Expertise hinsichtlich der herstellungstechnischen und sensorischen Bier-Besonderheiten kann der Sommelier Brauereien aktiv im Marketing unterstützen. Foto: Hund Von Welt/Alexander Pawlowski

"Ich kann Dich gut riechen"

Der Duft eines Bieres ist beispielsweise ein ganz wichtiges Kriterium. "Rund 80 Prozent des Gesamteindruckes macht allein die Aromawahrnehmung aus. Dazu gehört auch das retro-nasale Riechen", so der Bier-Profi. Das bekannte Zitat "Ich kann Dich gut riechen" trifft also auch für den Gerstensaft zu. "In den Gaststätten kommt es manchmal zu irritierenden Situationen, wenn ich meine Nase tief ins Bierglas halte", erklärt Matthias Kopp schmunzelnd. "Oft hat mich der Kellner schon gefragt, ob etwas mit dem Bier nicht in Ordnung ist". Das Beurteilen eines Bieres fängt sogar schon beim Öffnen der Flasche an. Daher ist auch das sinnliche Hören immens wichtig. Der Beruf des Bier-Sommeliers ist wirtschaftlich interessant und vielseitig einsetzbar; schließt er doch eine Lücke zwischen Brauer und Gast. "Ich sehe mich konkret als Berater und Vermittler zwischen Brauerei und Konsument", bringt es Matthias Kopp auf den Punkt. Foto: Hund Von Welt/Alexander Pawlowski

Weg vom Massenprodukt Bier – hin zu einem erlebbaren Genussmittel

Ein großer Wunsch des Bierliebhabers ist es, dem Gerstensaft den Stellenwert und die Wertschätzung zu geben, den es verdient. Auch hat er das sportliche Ziel, aktiv an einem Imagewechsel mitzuwirken. Weg vom Massenprodukt Bier – hin zu einem erlebbaren Genussmittel. "Dafür 'brenne' ich und möchte missionarisch unterwegs sein, um die Menschen von diesem wunderbaren traditionsreichen Lebensmittel zu begeistern und zu überzeugen".

Bier-Faktur

Mit seinem Unternehmen 'Bier-Faktur' ist der engagierte Sommelier deutschlandweit erfolgreich unterwegs, damit Interessierte im Rahmen von besonderen Events oder privaten Tastings die Welt der Biere erleben können. Auch die Geschichte flechtet Matthias Kopp intelligent in seine Bierleidenschaft ein. Hamburg war zum Beispiel das Brauhaus der Hanse und im Jahr 1370 gab es rund 450 Brauereien in der Stadt. Mit diesem historischen Hintergrund plant der Bierexperte, eine Kooperation mit der Hamburg Tourismus GmbH aufzubauen, um einmalige Brauereiführungen in der Hansestadt anzubieten. Da er selbst familiäre Wurzeln in Hamburg hat, schließt sich so wunderbar der Kreis. Foto: Hund Von Welt/Alexander Pawlowski

Tastings als Event

"Bier-Tastings sind auf Firmenfeiern und Privatfeiern ein Highlight und werden von Jahr zu Jahr attraktiver", schildert Kopp seine bierigen Einsätze. "Auch hat sich herumgesprochen, dass sich die Kunden mit meiner Hilfe ihr eigenes Bier brauen können". Das gemeinsame Bierbrauen kann sich in psychologischer Hinsicht sogar positiv auf Mitarbeiter und den Team-Gedanken auswirken, da ein starkes 'Wir-Gefühl' entstehen kann. Spannend und informativ geht es bei den 'Bier-Faktur'-Tastings zu, die der Experte ab zehn Personen in Restaurants, Hotels, Gaststätten oder Brauereien durchführt. Auch für private Feiern wird er gerne gebucht. Anlässe gibt es genug: Hochzeit, runder Geburtstag, Hausbau, Promotion, oder die Geburt eines Kindes.

Bierstacheln: es zischt und brodelt

'Renner' in seiner Angebotspalette ist das 'Bier-Stacheln'. Das Stacheln geht auf eine alte Schmiede-Tradition zurück. Um zu kaltes Bier auf eine angenehmere Trinktemperatur zu bringen, tauchten Schmiede früher ein glühendes Eisen – oftmals einen Schürhaken – in das Bier. "Der historische Trinkgenuss wird heute durch eine Edelstahlkugel erzielt, welche auf 600 Grad Celsius erhitzt und wenige Sekunden in ein Bierglas getaucht wird", erklärt Matthias Kopp die Stacheltradition. "Durch den herbeigeführten Hitzeschock karamellisiert der im Schaum enthaltene Restzucker, was zu einem noch intensiveren Geschmack führt. Zudem verliert das Bier etwas Kohlensäure. Das Bier hat nunmehr einen warmen Schaum, durch den beim Trinken ein süffiger Schluck kühles Bier kommt. Durch das Zischen und Brodeln ist es insgesamt ein toller Showeffekt". Foto: Hund Von Welt/Alexander Pawlowski

In seinem Unternehmen 'Bier-Faktur' vor den Toren Hamburgs trifft Hipburn Matthias Kopp – in Begleitung der Duchesse de Bourgogne – zu einem Interview. Foto: Matthias Kopp

Hipburn Herr Kopp, was steht in Ihrer Einladung, wenn Sie überzeugte Weinliebhaber für ein Bier-Tasting begeistern möchten?

Matthias Kopp Wein hat 500 Aromen; Bier mindestens 800. Der Unterschied von 300 Aromen verhilft Ihnen zu einem grandiosen Gaumenfeuerwerk. Lassen Sie sich das nicht entgehen!

Hipburn Genießen Sie jetzt nach Ihrer Ausbildung das Bier anders als früher?

Matthias Kopp Ja, ich genieße mit allen Sinnen und bin immer auf sensorischer Entdeckungsreise

Hipburn Welchen Tipp haben Sie für den Verbraucher hinsichtlich seines Bier-Einkaufes? Was ist am Besten? Dose, Glasflasche oder Kunststofflasche?

Matthias Kopp Auch wenn es ökologisch verwerflich ist; es ist die Dose! Die Dose ist ein in sich geschlossener kleiner Container und es kommt kein Licht ans Bier. Ein Kompromiss ist die dunkle Glasflasche mit Kronkorken. Kronkorken deshalb, weil dann die Flasche nicht mehr verschlossen werden kann. Zudem sind Kronkorken hygienischer und leichter zu handhaben. Bier ist ein Frischeprodukt und sollte auch frisch genossen werden. Es kann sonst seine geschmackliche Vielfalt verlieren.

Hipburn Gibt es weltweit unterschiedliche Biergeschmäcker?

Matthias Kopp In der Tat. Die weltweit wichtigsten Bierländer mit ihren Bierstilen sind: Deutschland, Österreich, Belgien, Böhmen in Tschechien, England, Schottland, Irland sowie die USA.

Hipburn Ist Bier 'männlich'?

Matthias Kopp Auch, wenn es vermeintlich auf den ersten Blick so scheint: Nein! Bier wird für Frauen immer mehr zu einem hippen Getränk und es gibt bundesweit immer mehr weibliche Biersommeliers. Ich begrüße das, denn Frauen agieren mit ihren Sinnen wesentlich sensibler und feiner.

Hipburn Benutzen Sie für ein Biertasting spezielle Gläser?

Matthias Kopp Einige Bierverkostungs-Gläser ähneln den Rotweingläsern und nennen sich daher auch Tastingpokale. Die Farbe des Bieres ist gut erkennbar, das Bier wird nicht so schnell warm und das Aroma des Bieres kann wunderbar eingeatmet und wahrgenommen werden. Ich kenne Gastronomen, die ihren Gästen – wie beim Wein – ganz selbstverständlich Tastingpokale servieren. Neben einer Weinkarte wird den Kunden auch die Bierkarte gereicht. Das ist aus meiner Sicht eine freudige Entwicklung.

Hipburn Gibt es auch Tastings für alkoholfreies Bier?

Matthias Kopp Nein, da Alkohol ein Geschmacksträger ist. Der entfällt bei alkoholfreiem Bier.

Hipburn Was ist Ihre Vision? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Matthias Kopp Meine Vision ist, Inhaber einer Mikro-Manufaktur-Brauerei zu sein. Mein Leben spielt sich in einem reetgedeckten Haus ab, in dem ein kleines Hotel samt Biergastronomie integriert ist. Ferner sehe ich einen wunderschönen Veranstaltungsraum, in dem erlebnisreiche Tastings stattfinden. Dann sehe ich auch die Freude, die ich jeden Tag verspüre, weil ich als Botschafter des guten Bieres tätig sein kann. Foto: Hund Von Welt/Alexander Pawlowski

www.bier-faktur.de