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  • Veröffentlicht unter Essen & Trinken
Kala namak, Seitan, Soyatoo Schlagcreme – was jeder Veganer als festes "Ensemble" in seinem Kühlschrank stehen hat, klingt für bekennende Fleischesser wohl eher wie Fachchinesisch. Nun gut, es ist immer reizvoll, etwas Unbekanntes auszuprobieren - warum nicht auch einmal in die vegane Küche eintauchen? Das denkt sich bestimmt jeder Gast, der an einem vierstündigen veganen Kochseminar in Hamburg teilnimmt. Doch weit gefehlt. Schon beim Eintreffen der Teilnehmer wird gleich klar, wer gekommen ist, um lediglich neue Impulse zu erhalten und wer hier gleich seine erste Begegnung mit der pflanzlichen Kochkultur erleben wird.

Interessiert schleichen die "Anfänger" um die Hauptakteure des Abends, die auf der großen Edelstahlplatte stehen und geduldig auf ihren Auftritt warten: Soja-Rinderfilets, ein dicker Hokkaido-Kürbis, fleischlose Fleischwürfel und ein Berg von Gemüse. Bevor es losgeht, erwartet die Gäste ein einstündiger Unterricht über die Grundlagen der pflanzlichen Küche. "Eine Stunde Theorie über Lebensmittel?" denkt der "Anfänger" und fragt sich, was jetzt wohl kommt.

Kaum fängt die Kursleiterin - die seit acht Jahren ohne tierische Erzeugnisse auskommt - an, beginnt die Zeit zu rasen: Auf einem Ritt von Kräuterkunde bis hin zu biochemischen Vorgängen im Körper werden die Veganer und alle, die es werden wollen, mit der tierfreien Ernährungsweise vertraut gemacht. Sechzig Minuten lang sitzen sie gebannt an den Tischen, an denen später gespeist werden soll und scheinen das Essen völlig vergessen zu haben. Stattdessen lassen sie sich jedes Faktum über den Veganismus auf der Zunge zergehen und erst als der sanfte Geruch von geschmolzenem Kokosfett in die Nasen strömt, erinnert man sich, warum man hier ist.

Gestartet wird mit dem Star der pflanzlichen Küche, zu dessen Fans längst nicht nur Veganer zählen – dem grünen Smoothie. Zwei Handvoll Spinat, eine Banane, ein Schuss Saft aus ökologisch angebauten Früchten – dass pürierte Rohkost so gut schmecken kann, erstaunt selbst die Fortgeschrittenen in der Gruppe. Gestärkt mit dieser Vitaminbombe geht es weiter: Eiersalat ohne Eier, fleischloser Döner und eifreie Mayo stehen auf dem Programm. Zum Dessert wird eine vegane Mousse au Chocolat-Torte zubereitet.

Es dauert nicht lange und das gemeinsame Kochen gewinnt an Tempo: Zu Chill-Out Klängen aus der Musikanlage wird geschnippelt, gerührt, gemixt und gefachsimpelt. Die anfänglichen Berührungsängste sind schnell vergessen. Während die Experten sich nebenher zu unterschiedlichen Produktnamen austauschen, hören die Anfänger aufmerksam zu, bringen sich ebenfalls in die Gespräche ein und stellen ihre Fragen. Der Geruch von gedünsteten Champignons und Zwiebeln hängt in der Luft, aus dem Backofen wird der Tortenboden herausgeholt und die Mägen beginnen, im Kanon zu knurren. Immer wieder werden Löffel und Gläser herumgereicht und man probiert Klassiker aus der veganen Küche.

Zu Tisch werden aus den unbekannten Personen alte Bekannte, die gemeinsam ihre Eindrücke verdauen, während sie ihre Speisen genießen. Ob man sich im Sommer nicht zum Kräutersammeln treffen will, wird in die Runde gefragt. Spätestens dann ist allen klar, dass vegane Küche längst nicht nur aus tierfreien Produkten besteht, sondern eine Lebenskunst ist.

Das Resumee der Hipburn-Redaktion: Neuerdings steuert man beim Einkauf Abteilungen an, in die man sich vorher nur zufällig verirrt hat und die kulinarische Kreativität erlebt eine neue Dimension.